Ärzte ohne Grenzen

TSCHETSCHENIEN: Gesundheitsversorgung völlig unzureichend
ÄRZTE OHNE GRENZEN ruft die OSZE auf, eine Beobachtermission in Tschetschenien zu stationieren

Moskau/Nazran/Bonn (ots) - Am Tag der Abreise der OSZE-Delegation nach Moskau und Tschetschenien ruft die internationale medizinische Hilfsorganisation ÄRZTE OHNE GRENZEN die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) auf, die Stationierung einer Beobachtermission für ganz Tschetschenien zu veranlassen. "Die Kämpfe halten an, und Gewaltakte gegen die Zivilbevölkerung sind an der Tagesordnung", sagt der Projektleiter von ÄRZTE OHNE GRENZEN in Tschetschenien, Rendt Gorter. "Nur eine unabhängige Beobachtermission kann den Schutz der Bevölkerung gewährleisten." ÄRZTE OHNE GRENZEN ist äußerst besorgt über die humanitäre Lage in Tschetschenien. Teams der Organisation haben in weiten Teilen des Landes Untersuchungen durchgeführt und dabei festgestellt, dass viele Gesundheitseinrichtungen schwer beschädigt sind und ein akuter Mangel an Medikamenten und medizinischem Material besteht. Der Bedarf an humanitärer Hilfe in Tschetschenien ist enorm. Der Zugang zu den noch funktionierenden Gesundheitseinrichtungen ist aufgrund des Sicherheitsrisikos eingeschränkt, und die Einreise nach Tschetschenien bleibt für humanitäre Hilfsorganisationen weiterhin äußerst schwierig. ÄRZTE OHNE GRENZEN wird seine Bedenken und Untersuchungsergebnisse der OSZE-Mission vorbringen, die vom 12. bis 14. April Russland besuchen wird. Die Gesundheitssituation in Tschetschenien bleibt prekär. Schlechte Wohnverhältnisse, Menschen, die sich in Notunterkünften zusammendrängen, und ein Mangel an Hygiene haben vor allem bei Kindern zu einer großen Anzahl von Hauterkrankungen, Durchfallerkrankungen und anderen Magen-Darm-Infektionen geführt. "Tausende leiden unter leicht vermeidbaren Krankheiten. Wenn nun noch ein Teil der Vertriebenen zurückkommt, dann erhöht sich das Risiko noch mehr und die Infrastruktur bricht völlig zusammen", befürchtet Rendt Gorter. Die verbleibende Bevölkerung auf tschetschenischem Gebiet wird auf etwa 350.000 geschätzt. Neben den allgemeinen Erkrankungen mußte ÄRZTE OHNE GRENZEN zahlreiche Schusswunden bei der Zivilbevölkerung feststellen, auch bei alten Menschen, Frauen und Kindern. Der Zugang zu noch funktionierenden Gesundheitseinrichtungen ist vor allem abends und in der Nacht aufgrund von Ausgangssperren und Kontrollen eingeschränkt. Die Menschen haben Angst, hinauszugehen und können daher nicht sofort eine Klinik aufsuchen, wenn es notwendig ist. Dadurch treten bei den Patienten unnötige Komplikationen auf. Das lokale Gesundheitspersonal in Tschetschenien arbeitet weiter, obwohl nur wenig Medikamente und medizinisches Material vorhanden sind. "Es ist beeindruckend zu sehen, wie hart die Menschen hier arbeiten und versuchen, die medizinische Betreuung aufrechtzuerhalten. Sie arbeiten oft in völlig ausgebrannten Gebäuden. Es ist ermutigend, Ärzte und Krankenschwestern zu sehen, die Hammer und Schaufel in die Hand nehmen und versuchen, selber die beschädigten Gesundheitseinrichtungen zu reparieren. Und all das, obwohl die Kampfhandlungen weitergehen", sagt Rendt Gorter. Hilfsteams von ÄRZTE OHNE GRENZEN verteilen in ganz Tschetschenien Medikamente und medizinisches Material, um dem Gesundheitspersonal die grundlegendsten Mittel für seine Arbeit zur Verfügung zu stellen. Nachdem ÄRZTE OHNE GRENZEN von 1995 bis 1997 in Tschetschenien tätig war und im Dezember 1997 aus Sicherheitsgründen das Land verlassen musste, ist die Organisation seit Februar 2000 wieder in Tschetschenien im Einsatz. In Inguschetien arbeitet ÄRZTE OHNE GRENZEN bereits seit Dezember 1999 und versorgt mehr als 200.000 Tschetschenen mit medizinischer Hilfe. ots Originaltext: ÄRZTE OHNE GRENZEN Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Weitere Informationen: Pressestelle, Kattrin Lempp, Tel.: 0228 - 55 950-0 Der Untersuchungsbericht von ÄRZTE OHNE GRENZEN ist bei der Pressestelle erhältlich Original-Content von: Ärzte ohne Grenzen, übermittelt durch news aktuell

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