Ärzte ohne Grenzen

D.R. Kongo: Bewaffnete Hilfskonvois sind keine Lösung für die humanitäre Krise in Nord-Kivu

Berlin/Goma (ots) - Groß angekündigte bewaffnete Hilfskonvois sind nicht die richtige Antwort auf die humanitäre Krise in der kongolesischen Region Nord-Kivu. "Bewaffnete Hilfskonvois mögen das Ziel haben, humanitären Hilfsorganisationen den Zugang zu erleichtern, tatsächlich bergen sie aber das Risiko, dass der Zugang zur notleidenden Bevölkerung erschwert wird", sagte Anne Taylor, Programmleiterin von ÄRZTE OHNE GRENZEN am Donnerstag in Goma. "Hilfskonvois können durch politische oder militärische Akteure manipuliert werden. Zudem besteht die Gefahr, dass humanitäre Helfer als eine der Konfliktparteien wahrgenommen werden." Durch vom Militär begleitete Konvois wird riskiert, die Grenze zwischen humanitärer Hilfe und politisch-militärischem Einsatz zu verwischen. Der Unterschied zwischen humanitären und militärischen Einsätzen muss aber gerade in unsicheren Regionen wie Nord-Kivu erkennbar bleiben. ÄRZTE OHNE GRENZEN hilft den Menschen in Nord-Kivu ohne bewaffnete Begleitung. "Unsere Neutralität erlaubt es den Teams, dorthin zu gehen, wo die Menschen unsere Hilfe am dringendsten brauchen, und nicht dort zu helfen, wohin wir angewiesen werden zu gehen", so Taylor weiter. Bewaffnete Hilfskonvois, wie jetzt für die Städte Goma und Rutshuru, sind nicht nur riskant. Die Hilfe, die sie bringen, erreicht große Gebiete auch nicht, die vom Konflikt und von Vertreibungen betroffen sind. In Nord-Kivu ist aber dringend umfangreiche und weit angelegte Hilfe nötig. Mitarbeiter von ÄRZTE OHNE GRENZEN werden seit Jahren Zeugen massiver und wiederholter Vertreibungen in der gesamten Region. Das im Januar diesen Jahres unterzeichnete Waffenstillstandsabkommen hat dem Leid kein Ende gesetzt. Die Kämpfe, die Ende August ausbrachen, haben bloß einen Konflikt verschärft, der bereits seit geraumer Zeit andauert. Der Konflikt in der Region geht weit über Goma und Rutshuru hinaus. In den vergangenen Wochen flohen Hunderttausende Bewohner Nord-Kivus vor der Gewalt. ÄRZTE OHNE GRENZEN ist besonders besorgt um die Menschen in den Gegenden um Rutshuru, Kayna, Nyanzale und Masisi. Diese benötigen dringend Wasser, Nahrung, medizinische Versorgung und Hilfsgüter. Nötig sind sowohl eine politische Lösung als auch eine adäquate humanitäre Reaktion. Keiner der Ansätze kann den anderen ersetzen. Genauso wenig sollten politisches Handeln und humanitäre Hilfe vermischt werden. Dadurch wird die Neutralität von Hilfsorganisationen gefährdet und ihre Fähigkeit in Konfliktregionen zu arbeiten beeinträchtigt. ÄRZTE OHNE GRENZEN arbeitet in Nord-Kivu in von Kämpfen betroffenen Städten wie Rutshuru, Kayna, Masisi, Kitchanga und Mweso. Die Teams behandeln Kriegsverletzte und Cholerapatienten und stellen allgemeine Gesundheitsversorgung sowie sauberes Wasser und lebensnotwendige Hilfsgüter für Vertriebene und die lokale Bevölkerung bereits. Pressekontakt: Svenja Kühnel, Tel.: 030-22 33 77 00 http://www.aerzte-ohne-grenzen.de Original-Content von: Ärzte ohne Grenzen, übermittelt durch news aktuell

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