Ärzte ohne Grenzen

Aktion vor dem Deutschen Bundestag
ÄRZTE OHNE GRENZEN fordert höheren Beitrag für Tuberkuloseforschung

Berlin (ots) - Eine massive Erhöhung des deutschen Beitrags zur Forschungsförderung für Tuberkulose hat die Organisation ÄRZTE OHNE GRENZEN am Donnerstag mit einer Aktion vor dem Reichstagsgebäude in Berlin gefordert. "Wir werden das zunehmende Tuberkuloseproblem ohne deutlich mehr Forschung nicht in den Griff bekommen", sagte Oliver Moldenhauer, Koordinator der Medikamentenkampagne von ÄRZTE OHNE GRENZEN in Deutschland. "Im Jahr 2007 hat Deutschland nur ein Siebtel des eigentlich angemessenen Betrags in die Tuberkuloseforschung investiert. Das ist empörend, bedenkt man, dass in jeder Minute mehr als drei Menschen weltweit an der Krankheit sterben." Mit einer so genannten "Die-In-Aktion" veranschaulichte ÄRZTE OHNE GRENZEN vor dem Gebäude des Deutschen Bundestags die Problematik von Tuberkulose mit "Patienten", die auf ihre Diagnose oder teure Medikamente warten. Die Patienten "starben", während sie in einer Schlange auf den Arzt warteten. "Mit dieser Aktion wollen wir Druck ausüben, den deutschen Beitrag für die Forschung zu vernachlässigten Krankheiten, insbesondere für Tuberkulose, zu erhöhen", so Moldenhauer weiter. "Es gibt Informationen aus dem Entwicklungshilfeausschuss und von Regierungsabgeordneten, dass mehr Gelder zur Verfügung gestellt werden sollen. Wenn sich das tatsächlich auch im endgültigen Haushaltsbeschluss des Bundestags widerspiegelt, würden wir einen solchen ersten Schritt begrüßen. Die Regierung muss dann sicherstellen, dass öffentlich geförderte Forschungsergebnisse den Patienten in ärmeren Ländern nicht durch überzogene Patentrechte vorenthalten werden." Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) starben im Jahr 2006 rund 1,7 Millionen Menschen an Tuberkulose. Die Bedeutung der bakteriellen Infektionskrankheit nimmt zu: Einerseits aufgrund der starken Anfälligkeit von Menschen mit HIV/Aids für die Infektion, andererseits aufgrund des Anstiegs von Resistenzen gegen die Tuberkulose-Medikamente und der zunehmenden Anzahl von Patienten mit multiresistenter Tuberkulose. In den vergangenen Jahrzehnten wurde kaum noch zur Tuberkulose geforscht. Die jüngsten Standard-Medikamente zur Behandlung der Infektionskrankheit sind mehr als 40 Jahre, die gängigste Diagnostikmethode in ärmeren Ländern ist sogar mehr als 120 Jahre alt. Aus der Sicht von ÄRZTE OHNE GRENZEN rächt sich dies heute. Der Bericht "Forschungszwerg Deutschland - kaum Forschungsmittel für vernachlässigte Krankheiten" von ÄRZTE OHNE GRENZEN (April 2008) zeigt, dass Deutschland mindestens 62,8 Millionen Euro im Jahr zur Förderung der Tuberkuloseforschung ausgeben sollte. Tatsächlich gab die Bundesrepublik im Jahr 2007 jedoch nur 7,5 Millionen Euro (inkl. des deutschen Anteils an EU-Forschungsmitteln betragen die Ausgaben 9,5 Millionen Euro) für diesen Bereich aus. Auch andere Organisationen wollten am 16. Oktober 2008 mehr Forschung und Entwicklung für Tuberkulose fordern. Am Abend stand von 19:00-22:00 Uhr eine öffentliche Veranstaltung des Stop-TB-Forums deutscher Nichtregierungsorganisationen im Reichstagsgebäude auf dem Terminplan. (www.stop-tb.de). ÄRZTE OHNE GRENZEN behandelt Tuberkulose seit 30 Jahren und versorgte im Jahr 2006 rund 29.000 Patienten in 40 Ländern weltweit. Ab 14:00 Uhr finden Sie druckfähige Bilder unter: http://www.msfaccess.org/index.php?id=572. Pressekontakt: Weitere Informationen und Bildanfragen: Pressestelle, Svenja Kühnel, Christiane Löll, 030/22 33 77 00, 0163 8808 405, www.aerzte-ohne-grenzen.de. Original-Content von: Ärzte ohne Grenzen, übermittelt durch news aktuell

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