Ärzte ohne Grenzen

WELT-TUBERKULOSE-TAG
Zwei Millionen Menschen sterben jährlich an Tuberkulose
Resistenz gegen Antibiotika nimmt zu

Brüssel/Bonn (ots) - Es müssen dringend neue und billigere Medikamente zur Behandlung von Tuberkulose (TB) entwickelt werden. Dies fordert die medizinische Nothilfeorganisation ÄRZTE OHNE GRENZEN im Vorfeld des Welt-Tuberkulosetags am 24. März 2000. Jedes Jahr sterben zwei Millionen Menschen an dieser Krankheit, die meisten davon in ärmeren Ländern. ÄRZTE OHNE GRENZEN ruft die Regierungen auf, sich stärker für die Forschung und Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung von Infektionskrankheiten wie TB einzusetzen. Trotz der vielen Todesfälle ist die Forschung und Entwicklung von neuen Tuberkulose-Behandlungsmöglichkeiten fast zum Stillstand gekommen. Es ist mehr als 30 Jahre her, seit das letzte Tuberkulose-Medikament entwickelt wurde, der letzte Impfstoff stammt von 1923. "Die Pharma-Unternehmen orientieren sich zunehmend an Krankheiten, an denen Menschen in reichen Ländern erkranken", sagte Dr. James Orbinski, Präsident des Internationalen Büros von ÄRZTE OHNE GRENZEN. "Obwohl jährlich zwei Millionen Menschen an Tuberkulose sterben, wird die Krankheit von der Pharma-Industrie weitgehend vernachlässigt." ÄRZTE OHNE GRENZEN zufolge sind dringend kürzere und einfachere TB-Behandlungsmöglichkeiten notwendig. Die bisher wirksamste Behandlung, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene DOTS-Strategie (Directly Observed Treatment Short Course - direkt überprüfte Kurzzeittherapie), ist teuer und schwierig umzusetzen. Dies erschwert die großflächige Verbreitung der Behandlung in ärmeren Ländern. "Es sterben so viele Patienten an Tuberkulose, weil die Behandlung sehr komplex ist und mindestens sechs Monate dauert", erklärte Orbinski. Außerdem kommt es immer häufiger zur Resistenzentwicklung der Tuberkuloseerreger gegenüber den gängigen Medikamenten. Die Kosten für die Behandlung von multiresistenter Tuberkulose liegen pro Patient zwischen 5.000 - 8.000 US-Dollar. "Für die meisten Patienten einer multiresistenten TB ist die Diagnose ihrer Krankheit daher gleichzeitig ein Todesurteil. Es ist somit dringend erforderlich, die Preise für die Medikamente zu senken", so Orbinski. In Zusammenarbeit mit der WHO verhandelt ÄRZTE OHNE GRENZEN derzeit mit Pharma-Unternehmen, um die Preise für Medikamente zur Behandlung von multiresistenter TB auf 1.500 US-Dollar pro Patient zu reduzieren. ÄRZTE OHNE GRENZEN erinnert die Regierungen an ihre politische Verantwortung, das Recht der Bevölkerung auf Gesundheitsversorgung zu schützen und zu garantieren. Die Regierungen sollten dafür sorgen, dass die Entwicklung neuer Medikamente vorangetrieben wird. "TB ist ein soziales und politisches Problem. Wenn wir es heute nicht anpacken, werden die kommenden Generationen unkalkulierbare Konsequenzen tragen müssen", warnte Orbinski. Ärzte ohne Grenzen unterstützt weltweit rund 20 TB-Projekte. Die Organisation startete 1999 eine Kampagne, um den Zugang zu unentbehrlichen Medikamenten zu verbessern. ots Originaltext: ÄRZTE OHNE GRENZEN Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Weitere Informationen: Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel: 0228-55 950-0 TV REDAKTIONEN: Betacam-Material zu TB in Kenia und Russland ist erhältlich. Original-Content von: Ärzte ohne Grenzen, übermittelt durch news aktuell

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