Ärzte ohne Grenzen

SÜDAFRIKA: 07/2000
Aids-Patienten sterben, weil Medikamente unerschwinglich sind
ÄRZTE OHNE GRENZEN fordert Pharmakonzern auf, Preise zu senken

Bonn (ots) - Die Organisation ÄRZTE OHNE GRENZEN hat den Pharmakonzern Pfizer aufgerufen, den Preis des Aids-Medikaments Fluconazol1 für ärmere Länder drastisch zu senken. Diese Forderung ging dem Unternehmen gestern in 18 Ländern schriftlich zu. Damit unterstützt ÄRZTE OHNE GRENZEN die südafrikanische TREATMENT ACTION CAMPAIGN (TAC), eine regierungsunabhängige Koalition südafrikanischer Aids-Aktivisten. TAC fordert niedrigere Preise für Fluconazol oder die Genehmigung für den Verkauf von kostengünstigeren Generika in Südafrika. Mit dem Medikament Fluconazol zur Behandlung der Kryptokokken-Meningitis kann die Lebensqualität Aids-Kranker deutlich verbessert und die Lebenserwartung um einige Jahre erhöht werden. Ohne Fluconazol-Behandlung liegt die Lebenserwartung bei weniger als einem Monat. Die Kryptokokken-Meningitis ist die häufigste auf die Hirnhaut übergreifende Pilzinfektion HIV-positiver Menschen. "Es ist für Ärzte frustrierend, Menschen an dieser Hirnhautentzündung sterben zu sehen, wenn wir wissen, dass eine effektive Behandlungsmöglichkeit existiert", sagt Bernard Pécoul von Ärzte ohne Grenzen. Pécoul leitet die Kampagne der Organisation "Besserer Zugang zu unentbehrlichen Medikamenten". "In Südafrika, wo eine einzige Firma die Marktrechte für das Medikament Fluconazol hält, kostet das Medikament ungefähr 15 Mal so viel wie in Thailand, wo kein Patentschutz für das Medikament besteht. Menschen sterben, weil der Preis für das Medikament, das ihr Leben retten könnte, zu hoch ist." In Südafrika leben zur Zeit ungefähr 4,5 Millionen HIV-positive Menschen. Jährlich sterben etwa 100.000 Menschen an Aids. Die tägliche Dosis Fluconazol (400 mg), die notwendig ist, die Kryptokokken-Meningitis zu behandeln, kostet zur Zeit in Südafrika 17,84 US-Dollar. Dies entspricht mehr als dem Doppelten des täglichen Durchschnittseinkommens von 7,69 US-Dollar. In Thailand kostet die tägliche Dosis desselben Medikaments nur 1,20 US-Dollar. In Südafrika ist es allerdings anderen Unternehmen untersagt, Fluconazol zu produzieren oder zu verkaufen, da Pfizer dort die alleinigen Marktrechte für dieses Medikament besitzt. In der an Pfizer gerichteten Mitteilung erklärt ÄRZTE OHNE GRENZEN: "Auch für Menschen in ärmeren Ländern müssen unentbehrliche Medikamente bezahlbar sein. Wir sehen ein, dass Patente eine wichtige Rolle spielen können, die Finanzierung von Forschung und Entwicklung von Arzneimitteln sicherzustellen. Es muss aber gewährleistet sein, dass Menschen Zugang zu unentbehrlichen Medikamenten haben." 1 Fluconazol ist auf dem deutschen Markt erhältlich unter dem Namen DIFLUCAN. ots Originaltext: Ärzte ohne Grenzen Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Weitere Informationen, Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 0228 / 55 950-0 Original-Content von: Ärzte ohne Grenzen, übermittelt durch news aktuell

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