Ärzte ohne Grenzen

Nahrungsmittelhilfe lässt Kleinkinder außen vor / Spezialnahrung muss Teil von Hilfsprogrammen sein

Genf/Berlin (ots) - Vor dem Hintergrund weltweit steigender Lebensmittelpreise und der daraufhin verstärkten Nahrungsmittelhilfe warnt ÄRZTE OHNE GRENZEN, dass Erwachsenen-Kost kleine Kinder nicht vor Mangelernährung schützt. Die Hilfsorganisation unterstützt Aufrufe, Lebensmittelhilfe verstärkt an Familien zu verteilen. Doch das ist nicht ausreichend. ÄRZTE OHNE GRENZEN fordert deshalb von Geldgebern, dass Spezialnahrung für Kleinkinder Bestandteil aller Hilfsmaßnahmen wird. "Wenn sich Lebensmittel verteuern, wird unserer Erfahrung nach zuerst an Milchprodukten gespart - an den Produkten also, die kleine Kinder am dringendsten brauchen," sagte Tido von Schön-Angerer, Leiter der Medikamentenkampagne von ÄRZTE OHNE GRENZEN in Genf. "Deshalb ist es so wichtig, dass Geber nicht nur das für Erwachsene geeignete angereicherte Mehl zur Verfügung stellen, sondern auch Spezial-Nahrung für Kinder im Wachstumsalter liefern." In einigen Ländern, in denen ÄRZTE OHNE GRENZEN tätig ist und lokale Märkte beobachtet, steigen die Lebensmittelpreise dramatisch. So verteuerten sich Zucker, Mehl, Öl und Reis in Sierra Leone zwischen Dezember und Februar um 40 Prozent. Das ist besorgniserregend, denn während der Ernährungskrise in Niger im Jahr 2005 füllten sich die Kliniken von ÄRZTE OHNE GRENZEN mit unterernährten Kindern, nachdem sich die Hirse-Preise verdreifacht hatten. Herkömmliche Nahrungsmittelhilfe ist nicht für Kleinkinder geeignet, denn die angereicherten Mischmehle enthalten nicht die für Kleinkinder wichtigen Nährstoffe, wie sie etwa in Milchprodukten vorkommen. Ohne diese Inhaltsstoffe besteht das Risiko von Mangelernährung, die Kleinkinder anfälliger für Infektionskrankheiten macht und tödlich sein kann. "Leider setzen Geldgeber bei der Nahrungsmittelhilfe immer noch auf ihre Einheitslösung", kritisierte Tido von Schön-Angerer. "Falsche Nahrungsmittelhilfe kann aber heißen, dass Kinder mangelernährt und krank werden oder sterben, obwohl das leicht verhindert werden könnte." Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist das Alter von sechs Monaten bis zwei Jahren entscheidend. Typischerweise beginnen Mütter nach sechs Monaten, der Muttermilch andere Nahrungsmittel beizufügen. Doch für Frauen in "Unterernährungs-Brennpunkten" wie dem Horn von Afrika, der Sahel-Region oder Asien ist es schwierig, den Ernährungsbedürfnissen ihrer Kinder gerecht zu werden, weil geeignete Lebensmittel zu teuer oder schlicht nicht erhältlich sind. Die Situation verschärft sich, wenn die Preise steigen. Dabei existiert nährstoffreiche Spezialkost längst und wird bereits erfolgreich von staatlichen und internationalen Organisationen eingesetzt. So gibt es energiereiche Fertigpasten, die u.a. Milchpulver enthalten, weder gekocht noch gekühlt und nicht mit Wasser angereichert werden müssen. Im Idealfall sollten Familien in der Lage sein, ihre Kinder mit abwechslungsreichem Essen zu ernähren. Ist das nicht möglich, muss Nahrungsergänzung verteilt werden, um Kinder vor Unterernährung zu schützen. ÄRZTE OHNE GRENZEN ruft Geber-Regierungen auf, ihre Hilfsprogramme dahingehend umzustellen. Mangelernährung verursacht jedes Jahr fünf Millionen Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass weltweit 178 Millionen Kinder mangelernährt sind und dass 20 Millionen Kinder an schwerer Mangelernährung leiden. Pressekontakt: Christiane Löll, Tel.: 030-22 33 77 00 http://www.aerzte-ohne-grenzen.de Original-Content von: Ärzte ohne Grenzen, übermittelt durch news aktuell

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