Ärzte ohne Grenzen

MADAGASKAR: Trotz Choleraepidemie zieht sich ÄRZTE OHNE GRENZEN aus der Provinz Tuléar zurück

Antananarivo/Bonn (ots) - Die medizinische Nothilfeorganisation ÄRZTE OHNE GRENZEN verlässt trotz einer Choleraepidemie die südliche Provinz Tuléar in Madagaskar. Der Rückzug ist eine Reaktion darauf, dass die madagassische Regierung den Teams von ÄRZTE OHNE GRENZEN keine Erlaubnis erteilt, Cholerapatienten zu behandeln. Dies ist um so dramatischer, als die Epidemie bisher keineswegs unter Kontrolle ist und sich auf alarmierende Weise im ganzen Land ausbreitet. "Seit mehr als zehn Monaten grassiert in Madagaskar eine Choleraepidemie, die in diesem Ausmaß in der Geschichte des Landes einzigartig ist", bestätigt Projektleiter Thierry Durand in Antananarivo. "Alle bisherigen präventiven und kurativen Maßnahmen der Regierung konnten die Ausbreitung der Epidemie nicht verhindern." Laut offiziellen Angaben wurden bisher mehr als 15.500 Cholerafälle registriert. Fünf von sechs Provinzen sind davon betroffen, darunter auch die Provinz Antananarivo. Bisher sind mehr als 1.000 Menschen an Cholera gestorben, davon mehr als ein Drittel im letzten Monat. Dies entspricht sechs Todesfällen pro Tag. Die Sterberate in der Provinz Tuléar beträgt 14 Prozent, die tatsächlichen Zahlen liegen wahrscheinlich höher. ÄRZTE OHNE GRENZEN zufolge würde eine Sterberate von unter fünf Prozent eine angemessene Bekämpfung der Epidemie erkennen lassen. Trotz vieler Anfragen auf lokaler Ebene in Madagaskar blieben alle Versuche von ÄRZTE OHNE GRENZEN erfolglos, von den Gesundheitsbehörden und der Regierung eine Erlaubnis für die umfassende Behandlung der Cholerapatienten zu erhalten. ÄRZTE OHNE GRENZEN ist seit drei Jahren in der Provinz Tuléar tätig und unterstützt die nationalen Gesundheitsprogramme, insbesondere die langfristige Entwicklung von sanitären Strukturen und von Vorsorgemaßnahmen für Notfalleinsätze. Seit einem Monat steht ein Spezialistenteam mit zehn Tonnen Material im Land bereit, um gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium die Cholera zu bekämpfen. "Wir können nicht auf der einen Seite langfristige Präventionsprogramme aufbauen und auf der anderen Seite untätig zusehen, wenn die Menschen an Cholera sterben. Der Wirkungsgrad unserer Programme ist unter diesen Bedingungen ungenügend. Unsere Anwesenheit ist nicht mehr zu rechtfertigen, unser Rückzug daher unverzüglich", sagte Durand. ÄRZTE OHNE GRENZEN hofft, dass der Rückzug die Gesundheitsbehörden des Landes zu einer neuen Entscheidung in bezug auf die Cholerabekämpfung führen wird. Die Organisation wird daher sowohl die Teams als auch das Material für einen erneuten Einsatz bereithalten. In der Provinz Tuléar arbeiten 13 internationale und 43 nationale Mitarbeiter von ÄRZTE OHNE GRENZEN. Die Projekte im Norden des Landes und in Antananarivo laufen weiter. Die Organisation ist seit 1987 im Land tätig. ots Originaltext: ÄRZTE OHNE GRENZEN Im Internet recherchierbar: http://www.newsaktuell.de Pressestelle: Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel: 0228-55950-0 Original-Content von: Ärzte ohne Grenzen, übermittelt durch news aktuell

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