Kölner Stadt-Anzeiger

Kölner Stadt-Anzeiger: Autoren regen an, Einfluss des BdV zu verkleinern

Köln (ots) - Köln. Eine im September fertig gestellte Studie des Maecenata-Instituts für Philantropie und Zivilgesellschaft an der Berliner Humboldt-Universität stellt dem Bund der Vertriebenen (BdV) ein vernichtendes Zeugnis aus. Das berichtet der "Kölner Stadt-Anzeiger" (Dienstag-Ausgabe), dem die Studie vorliegt. Zusätzliche Brisanz gewinnt die von Eva Maria Hinterhuber und Rupert Graf Strachwitz erstellte Studie dadurch, dass Strachwitz Vorsitzender des Bundesfachausschusses Kultur der FDP ist und sich die BdV-Präsidentin Erika Steinbach heute zur Wahl der menschenrechtspolitischen Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion stellt. Der BdV und der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle lagen wegen Steinbachs Absicht, in den Rat der "Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung" einzutreten, monatelang im Streit; Westerwelle wollte dies als amtierender Außenminister mit Rücksicht auf Polen verhindern. Hinterhuber schreibt in dem 42-seitigen Papier, der BdV sei hochgradig "intransparent". Informationen über Mitgliederzahlen sowie Informationen über Einnahmen und Ausgaben seien entweder zweifelhaft oder würden gar nicht erst gegeben. So sei zwar bekannt, dass der Verband jährlich 920.000 Euro vom Bundesinnenministerium bekomme. Jedoch: "Wie viel der Bund der Vertriebenen durch Mitgliedsbeiträge einnimmt, ist nicht bekannt. Der BdV macht darüber hinaus weder Angaben über weitere Einkünfte noch über Ausgaben, Gewinn oder Verlust." Während der BdV zudem von rund zwei Millionen Mitgliedern spreche, seien es in Wahrheit wohl kaum mehr als 500.000. Ähnlich verhalte es sich mit den offiziell genannten Todesopfern. "Die vom Bund der Vertriebenen regelmäßig angeführten Angaben, darunter die von Erika Steinbach mit über zwei Millionen bezifferten 'Todesopfer der Aussiedlungen', sind wissenschaftlich nicht bestätigt", so Hinterhuber. Die Intransparenz zu eigenen Gunsten habe aus Sicht des BdV offenbar den Zweck, "sein Gewicht zu erhöhen". Das vom Verband voran getriebene Zentrum gegen Vertreibungen diene schließlich dem "Versuch, die Verbrechen des Nationalsozialismus zu relativieren". Strachwitz regt an, den Einfluss des BdV künftig zu begrenzen. Ihm zufolge ist die Aufgabe, die Vertriebenen zu integrieren, "seit Jahrzehnten vollumfänglich gelöst". Da aber der BdV "nicht von sich aus von legalen Möglichkeiten der Einflussnahme zurücktreten" werde, sei es "an der Politik, ordnend einzugreifen und den Einfluss falls notwendig zu korrigieren".

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