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RNZ: Entlarvend

    Heidelberg (ots) - Von Alexander R. Wenisch Und plötzlich wird alles gut? Abu Ghraib heißt jetzt schlicht "Zentralgefängnis Bagdad". Das soll wohl vergessen machen, wie hier zunächst Saddam Hussein politische Gegner gefangen hielt und quälen ließ, und dass sich anschließend auch US-Soldaten nicht unbedingt mit humanitärem Ruhm bekleckert haben. Kein Neuanstrich der Zellen, keine neuen Computer, keine Bibliotek und auch nicht die Gewächshäuser, die nun das Gefängnis zu einem ansehnlichen Ort machen sollen, werden jene grausamen Bilder von nackten, gedemütigten und gefolterten Irakern vergessen machen, die die US-Army hier produziert hat. Ein Schandfleck. Wie Guantanamo. Hier will das Pentagon nun erkannt haben, dass die Behandlung der Gefangenen grundsätzlich den Genfer Konvention entspreche. Lächerlich! Washington müsste das Papier in der Luft zerreißen. Fast alle 240 Gefangenen auf Kuba sitzen ohne Anklage und Zugang zu Anwälten ein. Mehrfach gab es Berichte über Misshandlungen und Erniedrigungen von Inhaftierten. Und jetzt auch noch ein Bericht, wonach die Todesstrafe in den USA abgeschafft werden könnte - was grundsätzlich natürlich zu begrüßen wäre. Doch nicht moralische, ethische Gründe befeuern die Debatte, sondern das Geld. Hinrichtungen werden den US-Staaten schlicht zu teuer. Alles wird gut? Amerikas Verständnis von Menschenrechtspolitik entlarvt sich selbst.

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