Dekra SE: DEKRA und FIRMENAUTO haben Erdgas- und Hybridfahrzeuge getestet / Alternative Antriebskonzepte kommen

DEKRA und FIRMENAUTO haben Erdgas- und Hybridfahrzeuge getestet
Alternative Antriebskonzepte kommen

   

    Stuttgart (ots) -

    Angesichts steigender Kraftstoffpreise für Super- und Normalbenzin und für Diesel werden alternative Antriebskonzepte immer interessanter. Das zeigt ein aktueller Vergleich der Betriebskosten zwischen Erdgas- und Hybridfahrzeugen sowie Pkw mit Benzin- und Dieselmotor, den  DEKRA und die Fachzeitschrift FIRMENAUTO durchgeführt haben.

    "Alternative Antriebe werden heute nicht mehr belächelt, sondern Ernst genommen. Neben finanziellen Anreizen und günstigen Preisen beispielsweise für Erdgas als Kraftstoff hat auch das gewachsene Umweltbewusstsein der Autofahrer zu dieser Entwicklung beigetragen", beschrieb Clemens Klinke, Vorsitzender der Geschäftsführung der DEKRA Automobil GmbH, auf der AMI in Leipzig die Gründe für das zunehmende Interesse an alternativen Antriebskonzepten. "Hinzu kommt, dass inzwischen wohl jedem Menschen klar ist, dass unsere Erdölvorräte begrenzt sind und wir uns nach Alternativen umschauen müssen". Das war auch der Grund für die steuerliche Förderung beispielsweise von Erdgasantrieben. Der Bundesregierung ging es und geht es darum, die einseitige Abhängigkeit vom Erdöl zu verringern. Der Schritt vom Interesse zum Kauf von Erdgasvarianten oder Hybridmodellen wird bei vielen Autofahrern noch gebremst durch höhere Anschaffungspreise. Ob und wann sich diese Preise auch betriebswirtschaftlich rechnen, hat DEKRA zusammen mit der Fachzeitschrift FIRMENAUTO untersucht. Dazu wurden je ein Ford Focus C-MAX mit Benzin- und Dieselmotor sowie einer mit Erdgas auf Verbrauchsfahrt geschickt. Vierter Pkw im Testfeld war ein Toyota Prius mit Hybridantrieb. Unter identischen Bedingungen wurden die vier Pkw 200 Kilometer im Stadtverkehr, 450 Kilometer über die Autobahn und 100 Kilometer auf Landstraßen gefahren. Nach jeder Etappe wurde der exakte Verbrauch gemessen. Den meisten Kraftstoff brauchte der Benzin-Motor mit durchschnittlich 8,3 Litern Superbenzin auf 100 Kilometer. Sehr gut war mit 6,5 Litern schon das Ergebnis des Diesel. Der Erdgas-Focus begnügte sich mit 6,3 Kilogramm Erdgas. Spitzenreiter war der Toyota Prius, der mit 5,7 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer auskam. Wäre der Stadtfahrtenanteil höher gewesen, wäre der Verbrauch des Prius noch geringer ausgefallen. Denn in der Stadt kommt beim Prius ja vor allem der Elektromotor zum Einsatz. Erdgas als Kraftstoff wird in Deutschland bis 2020 steuerlich gefördert. Auch deshalb ist Erdgas im Vergleich zu Benzin und Diesel sehr günstig. So errechnen sich für den Ford Focus mit Benzinmotor Kraftstoffkosten von 10,36 Cent je Kilometer. Der Toyota Prius, der ebenfalls Superbenzin verbraucht, wenn der Elektromotor nicht im Einsatz ist, liegt mit 7,0 Cent je Kilometer nahezu gleichauf mit dem Diesel, der mit 6,95 Cent je Kilometer notiert wird. Unschlagbar aber ist der mit Erdgas getriebene Ford Focus, der 5,22 Cent pro Kilometer kostet. Rechnet man noch die übrigen variablen Fahrzeugkosten wie Reifen-, Reparatur- und Wartungskosten hinzu, dann bleibt es bei der Rangfolge: Mit 17,68 ct/km ist der Ford Focus mit Gasantrieb der günstigste, gefolgt vom Dieselmodell mit 18,24 ct/km und dem Toyota Prius Hybrid mit 19,18 ct/km. Am teuersten bei den variablen Betriebskosten ist mit 22,38 ct/km der Ford Focus mit Benzin-Motor.

    Betriebswirtschaftlich korrekt berücksichtigt die DEKRA Fahrzeug-Betriebskostenberechnung auch alle festen Kosten einschließlich der Verzinsung des eingesetzten Kapitals und der Abschreibung. Hier macht sich bemerkbar, dass die Erdgasvariante im Ford Focus und auch der Toyota Prius  mit Hybridantrieb im Vergleich zum Focus mit Benzinmotor fast 3.000 Euro mehr kosten. Eine jährliche Laufleistung von 15.000 Kilometern und eine Nutzungsdauer von fünf Jahren unterstellt, ergibt sich bei den Gesamtkosten damit eine andere Rangfolge. Jetzt ist der Diesel, der in der von DEKRA getesteten Version 1.000 Euro weniger kostete als der Benziner, mit Gesamtkosten von 60,95 ct/km der günstigste. Dann folgt aber schon trotz des hohen Anschaffungspreises mit 62,52 ct/km der Focus mit Erdgasantrieb, gefolgt vom Benzinmodell mit 63,96 ct/km. Schlusslicht ist nun der Toyota Prius Hybrid mit 66,68 ct/km. Günstige Erdgaspreise gleichen höhere Anschaffungskosten aus Je nach persönlichem Fahrprofil, jährlicher Fahrleistung und Nutzungsdauer können diese Werte variieren. Deutlich wird aber selbst bei der Berechnung nach streng betriebswirtschaftlichen Regeln, dass der Gasantrieb mit steigenden Preisen für Benzin und Diesel zunehmend günstiger wird. Lässt man Kapitalverzinsung und Abschreibung außer acht, dann hat sich der Mehrpreis des Erdgasmodells gegenüber dem Benziner bei 15.000 Kilometern im Jahr durch die günstigen Betriebskosten in vier Jahren ausgeglichen. Bei 20.000 Jahresfahrleistung sind dafür nur knapp drei Jahre nötig. Allerdings müsse man auch anerkennen, so der DEKRA Geschäftsführer, dass die Automobilhersteller viel getan haben, um herkömmliche Pkw-Motoren sparsamer und umweltfreundlicher zu machen. So sind die durchschnittlichen Verbräuche seit Anfang der 90er Jahre von 8,5 bis neun Liter je 100 Kilometer auf heute unter sieben Liter gesunken. Die Verbrauchswerte könnten noch günstiger ausfallen, aber durch die zunehmende Komfort- und Sicherheitsausstattung sind unsere Pkw auch immer schwerer geworden. Der Golf I zum Beispiel brachte 1974 noch 750 bis 800 Kilogramm Leergewicht auf die Waage. Der aktuelle Golf V wiegt je nach Motorisierung und Ausstattung zwischen 1.154 und 1.319 Kilogramm. Parallel dazu sind jedoch auch die Kraftstoffpreise drastisch gestiegen. Ein Liter Super bleifrei kostete 1988 noch umgerechnet 0,50 Euro. 2005 lag der Preis im Schnitt bei 1,22 Euro. Der Preis für Diesel stieg gleichzeitig von 0,46 Euro auf 1,07 Euro.

    Die Zahl der Pkw mit alternativem Antrieb nimmt rasant zu "Angesichts dieser Preise ist es verständlich, dass die Autofahrer nach Alternativen suchen", sagte Clemens Klinke. Noch sind vergleichsweise wenige Pkw mit Flüssiggas- und Erdgasantrieb oder mit einem Hybridmotor, also der Kombination aus herkömmlichem Benzinmotor und Elektroantrieb, auf deutschen Straßen unterwegs. Das Kraftfahrbundesamt führte Anfang 2006 im Pkw-Bestand knapp 6.000 Pkw mit Hybridantrieb. Mehr als 40.000 Pkw fahren mit Flüssiggas und fast 31.000 mit Erdgas betriebene Pkw sind bei uns zugelassen. Tendenz deutlich steigend. Der Trägerkreis Erdgasfahrzeuge beispielsweise schätzt, dass der Anteil der Erdgasfahrzeuge um jährlich 40 Prozent weiter zunehmen wird. Immer mehr Autofahrer wollen zudem ein Auto fahren, dass die Umwelt möglichst wenig belastet. Das hat eine Umfrage ergeben, die DEKRA bereits 2005 durchgeführt hat. Danach erklärten sich 94,9 Prozent der Befragten bereit, auf alternative Kraftstoffe umzusteigen. 82,2 Prozent würden dafür auch einen höheren Anschaffungspreis akzeptieren, wenn sich der durch günstigere Betriebskosten in absehbarer Zeit amortisiert.

    Über DEKRA     DEKRA ist eine international ausgerichtete Sachverständigen-Organisation, die sich für Sicherheit und Qualität der Menschen im Umgang mit Technik, Umwelt und Mobilität engagiert. In vier Business Units sind die rund 100 Tochter- und Beteiligungsgesellschaften über die DEKRA AG an den DEKRA e. V. angebunden. Die Business Units DEKRA Automotive, DEKRA NORISKO Industrial, DEKRA Qualification sowie DEKRA International Operations stehen für qualifizierte und innovative Dienstleistungen rund um die Themen Fahrzeugprüfungen, Gutachten, Industriedienstleistungen, Zertifizierungen, Umwelt- und Baugutachten, Aus- und Weiterbildung, Zeitarbeit, Consulting und Schadenregulierung. DEKRA ist heute in 23 Ländern West- und Osteuropas sowie in den USA, Brasilien und Südafrika präsent. Mehr als 15.000 Mitarbeiter erwirtschaften einen Jahresumsatz von rund 1,2 Milliarden Euro.

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