WWF World Wide Fund For Nature: Wälder sind vor deutschen Banken nicht sicher
WWF World Wide Fund For Nature: Wälder sind vor deutschen Banken nicht sicher

Wälder sind vor deutschen Banken nicht sicher

    Frankfurt/M. (ots) -

    Umwelt-Rating international tätiger Banken: nur mittelmäßiges Interesse an der Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards bei Waldumwandlung und Waldwirtschaft

    Bei Investitionen, die zu Lasten von Wäldern gehen, haben nur
wenige Banken ausreichende Umwelt- und Sozialkriterien. In noch
geringerem Maß werden bestehende Kriterien bei der Vergabe von
Krediten für den Bau von Pipelines, Staudämmen, Papiermühlen oder
anderen industriellen Großprojekten tatsächlich angewendet. Das ist
das Fazit, das die Umweltstiftung WWF heute aus einem bislang
einmaligen Umweltrating von elf Banken durch die Münchner Agentur
oekom research AG zieht. Oekom research hatte im Auftrag des WWF die
Existenz, Anwendung und Transparenz von Umwelt- und Sozialstandards
bei der Finanzierung von Projekten im Bereich Waldumwandlung und
Waldwirtschaft untersucht. Auf einer Notenskala von A+ bis D-
erhielten ABN AMRO (Niederlande), die Deutsche Investitions- und
Entwicklungsgesellschaft sowie die HypoVereinsbank ein B+, die UBS
(Schweiz) ein B-. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau und die Dresdner
Bank wurden mit C+, die Westdeutsche Landesbank mit C bewertet. Das
Schlusslicht des Ratings, die Commerzbank, erreichte nur ein C-. Die
Deutsche Bank, die Norddeutsche Landesbank und die
Industriekreditbank hatten ihre Teilnahme an dem Rating verweigert
und konnten nicht bewertet werden. Alle genannten Banken sind
weltweit in Projekten engagiert, für die in großem Stil ursprüngliche
Wälder gerodet wurden.
    
    "Die meisten deutschen Banken geben ein beschämendes Bild ab, wenn
es um die Verantwortung gegenüber unseren Wäldern geht. An dem
insgesamt nur mittelmäßigen Ergebnis ändern auch die wenigen
Positivbeispiele nichts!", äußert sich Martin Geiger,
Tropenwaldexperte des WWF, enttäuscht über das Ergebnis. In der
Vergangenheit war dem WWF immer wieder aufgefallen, dass westliche
Banken in die Vernichtung wertvoller Waldflächen verstrickt sind -
zum Beispiel bei der Finanzierung von Rohstoffplantagen zur
Produktion von Palmöl und Papier. Durch derartige Projekte werden in
Indonesien jedes Jahr hunderttausende Hektar ursprünglicher Regenwald
zerstört. So gehen nicht nur die grünen Lungen der Erde verloren -
außerdem verlieren die dort heimischen Elefanten, Tiger und Orang
Utans und viele weitere Tierarten ihren natürlichen Lebensraum. Der
WWF weist darauf hin, dass die Vernachlässigung von Umwelt- und
Sozialkriterien auch zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden führen
kann, beispielsweise wenn bei der Ausbeutung der Wälder Konflikte
entstehen und der Holznachschub für die Papiermühlen ausbleibt.
    
    Die Forderungen des WWF an die deutschen Banken, bei Wald
relevanten Projekten wirksame Umwelt- und Sozialstandards einzuführen
und einzuhalten, stießen in bisherigen Gesprächen auf wenig Resonanz.
Um ihren Forderungen mehr Gewicht zu verleihen, hatten die
Umweltschützer das unabhängige Rating in Auftrag gegeben. "Jetzt
liegt uns eine wirklich objektive Bestandsaufnahme über die
Investitionsstandards der wichtigsten deutschen Finanzinstitute vor,
an der die Banken nicht mehr vorbeikommen", erklärt Geiger. Der WWF
wird die Ergebnisse des Ratings nutzen, um seine Überzeugungsarbeit
bei den deutschen Banken zu intensivieren. Verhandlungsinhalte werden
sein: Die Verlierer und Verweigerer des Ratings sollen ihre
Geschäftspolitik umgehend ändern, die Banken, die im oberen
Tabellenbereich landeten, sollen ihre bestehenden Standards
verbindlicher gestalten und konsequent veröffentlichen. Die Banken
sollen dem Beispiel der niederländischen ABN AMRO folgen: Sie gehört
zu den größten Finanzinstituten Europas und hat auf Druck von
Umweltschutzverbänden umfangreiche Richtlinien entwickelt. Dafür
erhielt ABN AMRO in der Rating-Rubrik "Existenz von Standards" als
einzige Bank die Note A.
    
    
ots Originaltext: WWF Deutschland
Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de

Pressekontakt:

Die Studie, eine Infografik mit den Rating-Ergebnissen und weitere
Informationen erhalten Sie über www.wwf.de oder bei:
    
Jenni Glaser
Pressestelle WWF Deutschland
Tel: 069/7 91 44-214
mobil: 0160/90165723

Martin Geiger
Fachbereich Wald des WWF Deutschland
Tel: 069/7 91 44-140
    
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Bildredaktion WWF, Jürgen Matijevic, Tel: 069/79144-142