WWF World Wide Fund For Nature

Disneyland Alpen: Kunstschnee anstatt Wintermärchen

    Wien / Frankfurt a. M. (ots) -

    WWF zeigt Auswirkungen des übermäßigen Schneekanonen-Einsatzes auf

    Während der verfrühte Frühlingseinbruch in Mitteleuropa den Schnee
schon schmelzen ließ, wird in den alpinen Schiregionen alles daran
gesetzt, die Pisten so lang wie möglich "befahrbar" zu halten.
Ungeachtet der Gefahren, die mit dem starken Einsatz von
Schneekanonen verbunden sind, wird tonnenweise wertvolles Trinkwasser
als Kunstschnee verpulvert. Und das, obwohl es schon vor dem
Wärmeeinbruch zu Wasserknappheit in einigen Schiregionen kam. Doch
die Verschwendung von Trinkwasser ist nicht die einzige Bedrohung für
den Naturreichtum der Alpen.
    
    Die erste Schneekanone kam in den 50er Jahren in Amerika zum
Einsatz. Seit den 70ern fällt das künstliche Weiß auch in Europa aus
allen Rohren. "Der ursprüngliche Gedanke, Schneekanonen nur
vereinzelt und ausschließlich in Tallagen einzusetzen, ist in
Vergessenheit geraten. Heute werden großflächig ganze Schigebiete
beschneit," erklärt Gerald Steindlegger, Alpenexperte des WWF in
Österreich. "Das hat negative Folgen für die Umwelt und zwar
drastische."
    
    Besonders belastend ist, dass etwa 100 Liter Trinkwasser nötig
sind, um einen Quadratmeter Piste zu beschneien. Das Wasser wird vor
allem aus kleinen Bächen genommen, das ökologische Gleichgewicht wird
dadurch empfindlich gestört. Zusätzlich wird durch die längere
Schneedeckendauer das Artenspektrum entscheidend verändert.
    
    Eine Hochdruckschneekanone emittiert bis zu 115 dB(A). Dieser
Lärmpegel entspricht etwa dem einer Kreissäge. Das menschliche Ohr
leidet bereits ab 85 dB(A). Durch die großflächige Anwendung von
Schneekanonen werden Lebensräume von vielen Tierarten nachhaltig
gestört. Besonders drastisch ist dies, weil vorwiegend in der Nacht
beschneit wird.
    
    Für die Installierung von Schneekanonen, deren Wasserspeicher,
sowie der Zuleitungen, sind umfangreiche Baumaßnahmen nötig, die
Lebensräume zerschneiden und das Landschaftsbild nachhaltig stören.
    
    "Der Wintertourismus ist ein wichtiger Faktor für die alpine
Region. Der ungebremste Einsatz von Schneekanonen zeigt jedoch, dass
sich Tourismusstrategien weder nach den Bedürfnissen der Gäste, noch
nach Gesetzen der Natur richten. Der WWF wird sich dafür einsetzen,
dass die letzten verbliebenen, unberührten Alpengebiete verschont
bleiben," so Steindlegger abschließend.
    
    
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