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Hochwasser in Polen: Kein Hochwasserschutz von vorgestern
WWF kritisiert verfehlte Konzepte zum Hochwasserschutz entlang der Weichsel

    Frankfurt a. M., Warschau (ots) - Nach der Hochwasserkatastrophe
in Polen wird der Ruf nach höheren Deichen und zusätzlichen
Speicherbauten lauter. Nach Einschätzung des WWF ist eine
Konzentration auf rein technischen Hochwasserschutz jedoch der
falsche Weg. Solche Maßnahmen würden das Problem sogar langfristig
verschärfen. Der WWF fordert, die Krise als Chance für eine modernen
Hochwasserschutz zu begreifen. Dazu gehöre ein integriertes
Hochwasserschutzkonzept, das mehr Überflutungsflächen beinhalte.
    
    "Das eigentliche Problem ist nicht das Hochwasser, sondern wie die
Menschen damit umgehen," betont Piotr Nieznanski vom Polen Programm
des WWF. Es bringe nichts, die Deiche zu flicken und danach zur
Tagesordnung über zu gehen. Das sei Hochwasserschutz von vorgestern.
Stattdessen gelte es, Überflutungsflächen zu schaffen und Deiche
zurück zu verlegen. "Der Fluss muß Platz haben, um sich verbreitern
zu können. Das wirkt wie eine Bremse für Flutwellen, nützt der Natur
und mildert die Hochwassergefahr", so der WWF. Um den materiellen
Hochwasserschaden zu begrenzen gelte es, die Bautätigkeit in
Risikogebieten einzuschränken. "Es macht keinen Sinn, die zerstörten
Häuser zu reparieren, wenn das Risiko hoch ist, dass die Gebäude bei
der nächsten Flut erneut ein Opfer des Flusses werden," erläutert
Piotr Nieznanski. Der WWF-Wissenschaftler, der selbst in
unmittelbarer Nachbarschaft des Flusses aufgewachsen ist, sieht an
der Weichsel gute Möglichkeiten für Deichrückverlegungen. Um
Hochwasserschutz erfolgreich umzusetzen, müsse man Auen wieder als
natürliche Rückhalteräume nutzen. Dies würde zugleich optimale
ökologische Verhältnisse schaffen. Für eine langfristige Vorsorge
fordert der WWF, punktuelle Maßnahmen durch ein integriertes
Gesamtkonzept zu ersetzen. Als erstes sei eine sorgfältige
Bestandsaufnahme möglicher Überflutungsgebiete notwendig. Es gelte
transparent zu machen, welche Gegenden mit welcher Wahrscheinlichkeit
von zukünftigen Flutwellen betroffen sein könnten und dies bei
Bauvorhaben zu berücksichtigen.
    
    Für die Oder liegen bereits erste Konzepte vor. Der WWF hat in
einem "Oder-Auen-Atlas" die Ufereregionen entlang des Flusses erfaßt
und Naturflächen, Landnutzung und Hydrologie detailliert beschrieben
und kartographiert. Der Atlas liefert den Gemeinden entlang des
Flusses die Grundlage für einen effektiven Hochwasserschutz und für
eine Natur verträgliche Entwicklung der Region. Von der Umsetzung der
Konzepte sei man jedoch noch weit entfernt, und das gelte auch für
die Weichsel. Der WWF sieht beim bestehenden Hochwasserschutz
erhebliche Mängel. Man habe sich zu sehr auf Speicherbauten in der
oberen Weichsel verlassen.
    
    
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Weitere Informationen:
Piotr Nieznanski,
WWF Polen Programm,
Mobil.: 0048 606 94 70 94
Jörn Ehlers,
Pressestelle WWF Deutschland,
Tel.: 0 69/7 91 44-1 45, Fax: -1 16

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