WWF World Wide Fund For Nature

Konferenz der Internationalen Schifffahrtsorganisation (IMO)
Es geht auch ohne Gift
WWF-Studie präsentiert Reedereien und Werften, die auf TBT verzichten

    Frankfurt/London (ots) - Der Verzicht auf giftige TBT-haltige
Antibewuchsanstriche für Schiffe ist bereits jetzt möglich. Zu diesem
Ergebnis kommt eine neue Studie (1), die der WWF anlässlich der
morgen beginnenden IMO-Konferenz (Internationale
Schifffahrtsorganisation) vorgestellt hat. "10 Prozent der deutschen
Reedereien haben ihre Schiffe bereits auf TBT-freie oder biozidfreie
Anstriche umgestellt oder sind zur Zeit in der Umstellung. Auch die
meisten deutschen Werften haben sich ausdrücklich für ein weltweites
TBT-Verbot ausgesprochen", sagte WWF-Meeresschutzexpertin Patricia
Cameron. "Einem konsequenten Anwendungsverbot durch die IMO ab dem 1.
Januar 2003 steht nichts mehr im Wege, da eine große Bereitschaft zum
Ausstieg besteht. Eine weitere Vergiftung der Meere ist nicht länger
tragbar!"
    
    Passagierschiffe nehmen bei der Umstellung auf umweltfreundliche
Antifoulings eine Vorreiterrolle ein, wie z.B. die Kreuzfahrtreederei
Hapag-Lloyd Seetouristik oder die TT-Linie, wobei erstere ihre
gesamten Flotte mit organozinnfreien Anstrichen versieht. Kleinere
Fährreedereien haben ebenfalls bereits vollständig oder teilweise
umgestellt, wie die AG Ems, die Baltrum Linie, die Wyker
Dampfschiffsreederei oder die Norden Frisia - letztere sogar auf
völlig giftfreie Farben. Auch in der Handelsschifffahrt nimmt die
Bereitschaft zur Nutzung TBT-freier Alternativen zu. Mehrere Reeder
haben bereits ihre gesamte Flotte umgestellt, wie die Hamburg-Süd,
oder aber einen Großteil ihrer Schiffe, wie Rigel, Lauterjung und
Hartmann. Interscan ist sogar auf ungiftige Alternativen gewechselt.
    
    Bei staatlichen Institutionen ist ein Umdenken spürbar.
Forschungsschiffe der Reedereigemeinschaft Forschungsschifffahrt, des
Bundesamts für Landwirtschaft und Ernährung und des Instituts für
Ostseeforschung verzichten zunehmend auf TBT: Schiffe des Bundesamts
für Seeschifffahrt und Hydrographie, fahren sogar biozidfrei. Auch
die Marine hat die Hälfte ihrer Flotte auf TBT-frei umgestellt.
Hervorzuheben ist zudem der Verzicht auf TBT bei der
Wasserschutzpolizei Niedersachsen und Schleswig-Holstein, den
Seenotrettungskreuzern, der gesamten Flotte des Bremischen Hafenamtes
sowie der Umstieg auf biozidfreie Beschichtungen bei der
Forschungsstelle Küste des Niedersächsischen Landesamts für Ökologie.
    
    Obwohl TBT immer noch am häufigsten in den Werften eingesetzt
wird, wächst der Anteil der alternativen Produkte, insbesondere bei
den Werftbetrieben Lloyd Werft Bremerhaven (Anteil der TBT-freien
Beschichtungen 60-80  Prozent) und Rickmers Lloyd Dockbetrieb GmbH
Bremerhaven (Anteil der TBT-freien Beschichtungen 30-35 Prozent). Die
Nutzung von Organozinnfarben in Hamburger Werften hat von 45 Tonnen
in 1995 auf 320 Tonnen in 1999 abgenommen, im Wesentlichen
hervorgerufen durch einen großen Rückgang bei Blohm & Voss.
    
    Viele Reedereien testen in Zusammenarbeit mit Farbfirmen auf ihren
Schiffe alternative Anstriche. Auf dem Weltmarkt sind bereits 10
organozinnfreie Beschichtungen erhältlich, für die eine Wirksamkeit
von bis zu 5 Jahren garantiert wird und die auf über 10. 000 Schiffen
weltweit getestet wurden. Es gibt inzwischen überdies 10
Alternativprodukte für die Großschifffahrt, die gänzlich auf den
Einsatz von Giften verzichten und über andere Mechanismen wirken,
indem sie z.B. auf physikalischem Wege die Haftkraft der
Bewuchsorganismen vermindern. 20 Reedereien nehmen im Rahmen eines
WWF-Projektes an einem Test dieser Alternativen teil.
    
    Die IMO sieht ein weltweites Verbot ab 2003 vor, das im Oktober
auf einer Ministerkonferenz verabschiedet werden soll. Zur Zeit
bestehen jedoch noch erhebliche Widerstände von Seiten mehrerer
Mitgliedsstaaten sowie einiger Internationalen
Schifffahrtvereinigungen. Der WWF fordert die Staatengemeinschaft
auf, den vorgesehen Zeitplan einzuhalten, da viele Reedereien und
Werften bereits jetzt einen Wechsel zu ungiftigeren Alternativen
vollzogen haben.
    
    (1) Im Rahmen der WWF Studie wurden 96 private und staatliche
Reedereien, 22 Werften, 10 Farbfirmen  und 9 Applikationsfirmen durch
das Labor für Limnische, Marine Forschung und Vergleichende
Pathologie (LimnoMar Hamburg) befragt.
    
    
ots Originaltext: WWF Deutschland
Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de


Weitere Informationen:
Jörn Ehlers, Leiter der Pressestelle
WWF Deutschland, Tel. 069-79144145

Patricia Cameron, Meeresumweltschutz,
WWF Deutschland, 0175-5983816 (z.Zt. in London)

Sabine Otto, Meeresumweltschutz,
WWF Deutschland, 0421-6584615

WWF-Studie: "Erfahrungen mit TBT-freien Schiffsanstrichen - Akzeptanz
von TBT-freien Antifoulingfarben bei deutschen Reedern und Werften"
ist erhältlich bei  Jörn Ehlers und Sabine Otto.

Original-Content von: WWF World Wide Fund For Nature, übermittelt durch news aktuell

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