WWF World Wide Fund For Nature

Die "Titanic" der Ölförderung
Die grösste Bohrinsel der Welt ist gesunken - ein Menetekel für die Petroleumwirtschaft

    Frankfurt (ots) - Die Bohrinsel P-36 der brasilianischen Firma
Petrobras ist soeben gesunken. 1,5 Millionen Liter Roh- und Dieselöl
kann jetzt aus den Unterwasserleitungen und aus Tanks an Bord der
Anlage ins Meer fließen. Der WWF Brasilien beobachtete bereits die
bisher vergeblichen Rettungsversuche mit Sorge.
    
    Schon im letzten Jahr kritisierte der WWF die verantwortliche
Firma Petrobras, die im Juni 2000 für eine Ölpest auf dem Fluss
Iguacu verantwortlich war. Damals flossen vier Millionen Liter Öl aus
einer Raffinerie in den Iguacu und zerstörte das Ökosystem des
Flusses auf zehn Kilometern Länge. Schon damals forderte der WWF
unabhängige Gutachten über alle Produktionsstätten der Petrobras und
verlangte einen Rettungsplan für den Fluss. Der aber lässt noch auf
sich warten, so Ulisses Lacava von WWF Brasilien, der auch sonst die
Petrobras kritisch sieht: "Einige ihrer Ölbohrinseln laufen völlig
ohne die eigentlich verlangte Umweltlizenz, und das ist nur eines von
vielen Problemen," so Lacava., nun werde der Untergang der P-36
sozusagen die "Titanic" unter den Ölkatastrophen sein. Das moderne
Riesenbauwerk war die mit 40 Stockwerken grösste Bohrinsel der Welt,
und erst seit Sommer 2000 in Betrieb.
    
    "Tiefer, schneller, grösser - das Öl unter dem Meer wird immer
schwerer erreichtbar," meint Dr. Christan von Dorrien von WWF
Deutschland. Die Firma Petrobras verkünde, mit 2000 Metern unter dem
Meeresspiegel die tiefsten Ölbohrungen der Welt zu betreiben, und
habe dafür ein gigantisches Netz von unterseeischen Pipelines
geschaffen. "Mit der Größe der Bohrinseln und Tanker, mit der Tiefe
der Bohrungen und dem immer größeren Druck der ganzen Welt, schneller
an billiges Öl aus unzugänglichen Gebieten zu kommen, wächst auch die
Belastung und das Risiko für die Umwelt in den betroffenen Gebieten.
Diese ganze Entwicklung geht in die falsche Richtung." Firmen wie die
brasilianische Petrobras müssten stärker in die Pflicht genommen
werden und für den von ihnen verursachten Schaden haften. "Der
Hinweis der Petrobras, die Ölplattform P-36 sei gut versichert,
reicht nicht. Umweltschäden könne kaum mit Geld wieder gut gemacht
werden." so Christian von Dorrien.
    
    Der WWF bedauert, dass die vielen Millionen an Forschungs- und
Entwicklungsgeldern, die die immer schwierigere Erschließung der
Erdölvorkommen kostet, nicht in die Entwicklung für regenerative
Energien gesteckt werden. Das Ende des Öl-Zeitalters sei absehbar,
die Technik stosse an ihre Grenzen - das zeige die P-36 deutlich.
    
    
ots Originaltext: WWF
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Gabriele Ammermann,
Pressestelle WWF Deutschland,
Tel. 069/7 91 44 - 214
Dr. Christan von Dorrien,
WWF Deutschland,
Tel. 0421-65841 - 27
Ulisses  Lacava,
Pressestelle WWF Brasilien,
Tel. 0055 / 61 36474 - 80

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