WWF World Wide Fund For Nature

Baia Mare: Ein Jahr nach der Giftflut: Die Natur erwacht aus dem Koma
WWF: Böden in Rumänien sind noch immer verseucht

Rasstatt (ots) - Während die betroffenen Flüsse sich nach der Unfallserie in rumänischen Bergwerken besser als erwartet erholt haben, sind die Böden rund um die Goldmine nach wie vor extrem hoch mit Schwermetallen belastet. Diese Fazit zieht die Umweltstiftung WWF am ersten Jahrestag des Unfalls in der rumänischen Goldmine in Baia Mare. Nach dem Bruch eines Staudamms einer Deponie mit flüssigen Abfällen hatte damals eine Giftflut mit hoch giftigen Cyaniden und Schwermetallen Zuflüsse der Donau auf einer Länge von mehreren hundert Kilometern verseucht. In der Folge verendeten mehrere Tausend Tonnen Fisch. "Die Fischfriedhöfe haben sich erstaunlich schnell regeneriert, weil sich Jungfische aus Nebenarmen und Auen in der Theiß und den anderen betroffenen Flüsse ansiedeln konnten," erklärte Erika Schneider vom WWF Auen Institut. Flussauen seien die "Kinderstube" vieler Fischarten, nur wenn sie intakte Lebensräume bieten, seien lebendige Flüsse möglich. Einige Populationen wie der Bestand an Zandern und Quappen seien zwar noch nicht so stabil und gesund wie vor dem Unfall, aber insgesamt erwachte die Natur aus dem Koma. Eine aktuelle Bestandsaufnahme des WWF zeigt, dass das Artenspektrum bei Fischen und Insekten bereits fast wieder so breit ist wie vor der toxischen Welle. Erika Schneider hält dennoch Langzeitfolgen für möglich: "Die Wirkung von Schwermetall-Cyanid-Komplexen ist nicht ausreichend erforscht. Hier sind noch böse Überraschungen denkbar", so die Expertin des Auen-Instituts. Alarmierend ist nach Einschätzung des WWF die hohe Bleibelastung der Böden rund um den Unfallort. Neue Messungen des zuständigen Wasserwirtschaftsamtes ergaben in den Gärten eine Bleibelastung von bis zu 3000 Milligramm pro Kilo Erde. Das ist 30 Mal so viel wie der zulässige Grenzwert. "Die Menschen pflanzen hier Kartoffeln und Gemüse an ", berichtete Erika Schneider. "Eine Sanierung der Böden ist überfällig. Nur so kann die langsame Vergiftung der Bevölkerung gestoppt werden." Nach Einschätzung des WWF sei bislang zu wenig unternommen worden, um ähnliche Unfälle in Zukunft zu vermeiden. Erst vor zwei Wochen war erneut Cyanid aus einer Putzmittelfabrik in den Siret, einen der größten Nebenflüsse der unteren Donau, geflossen und hatte ein Fischsterben verursacht. "Der Vorfall stellte die Nichtbeachtung der Sicherheitsvorschriften der betreffenden Firmen sowie den zu sorglosen Umgang mit Giften in der Region erneut unter Beweis" so Erika Schneider. Der WWF ist an einer internationalen Expertenkommission der EU, einer so genannte "Task Force" beteiligt. Sie hat die Unfallursachen und die Folgen untersucht. Als Konsequenz aus der Unfallserie in der rumänischen Goldmine nahe dem Fluss Theiß fordern die Experten ein Verbot von offenen Deponien für Giftschlämme aus der Erzförderung. Überdies sei es notwendig, alle Standorte von giftigen Abraumhalden aus dem Bergbau zu erfassen. ots Originaltext: WWF Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Weitere Informationen: Dr. Erika Schneider, WWF Auen Institut, Tel.: 07222 / 3807 21 Jörn Ehlers, Pressestelle WWF Deutschland, Tel.: 0 69/7 91 44-1 45, Fax: -1 16 Original-Content von: WWF World Wide Fund For Nature, übermittelt durch news aktuell

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