WWF World Wide Fund For Nature

Baustopp an der Elbe gefordert
Umweltverbände und Land Sachsen-Anhalt mahnen ordnungsgemäßes Verfahren an

Rastatt (ots) - Die Naturschutz-Organisationen BUND, WWF und NABU fordern von Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt einen Baustopp an der Elbe. Heute entscheidet das Bundesverwaltungsgericht über einen entsprechenden Antrag der Verbände. Seit April kämpfen die Elbeschützer gegen die Errichtung eines sogenannten Leitwerks im Flussbett, das die Lebensbedingungen für viele Tiere und Pflanzen in einem europaweit geschützten Flussabschnitt bei Wittenberg verschlechtern würde. Besonders kritisch sehen sie, dass die Wasserstraßendirektion Ost die Baumaßnahme ohne vorgeschriebene Umweltverträglichkeitsprüfung begonnen hat. Einen Baustopp hat auch schon Sachsen-Anhalts Umweltminister Konrad Keller sowie der betroffene Landkreis Wittenberg angemahnt. "Der Elbabschnitt zählt zu den europaweit geschützten Gebieten Natura 2000", erläuterte Ernst-Paul Dörfler, Elbe-Experte des BUND. Für diese Gebiete gilt nach EU-Recht ein Verschlechterungsverbot. Nach Einschätzung der Naturschützer führt die Errichtung des 650 Meter langen Steindammes jedoch zu einer Schädigung der Tier- und Pflanzenwelt. "Das Leitwerk wird Laichgebiete von äußerst seltenen Fischen wie Barbe und Rapfen zerstören", sagte Dörfler. Georg Rast vom WWF-Auen-Institut betonte: "Der geplante Ausbau kommt einer Kanalisierung dieses außergewöhnlich wertvollen Flussabschnitts gleich." Anlässlich der diese Woche stattfindenden Umweltministerkonferenz fordern die Verbände die Umweltminister der Elbanrainerländer auf, der schleichenden Zerstörung der Elbe Einhalt zu gebieten. Während das Wasser- und Schifffahrtsamt Dresden die Maßnahme als "Reparatur" bezeichnet, sehen die Naturschützer darin einen ungenehmigten Ausbau. "An dieser Stelle gibt es bislang kein Leitwerk, der Damm wird neu aufgeschüttet - für uns ist das ein klarer Verstoß gegen geltendes Recht", kritisierte Dörfler. Für Ausbauvorhaben ist ein Planfeststellungsverfahren und damit eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschrieben. Beides liegt bislang nicht vor. Für die Naturschutzverbände ist das Vorgehen auch ein Bruch der Elbe-Erklärung. Diese Verpflichtung zum Schutz der Elbe vor schädlichen Ausbauvorhaben hatte 1996 der damalige Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann unterschrieben. Zur Konkretisierung der Erklärung hatten sich die Naturschutzverbände mit der Bundes-Wasserstraßenverwaltung auf einen Kriterienkatalog geeinigt. "Die Bauarbeiten zeigen, dass die Wasserstraßenverwaltung nicht bereit ist, den gemeinsamen Kriterienkatalog umzusetzen", kommentierte Rast, einer der Autoren des Papiers. Die Elbe ist der letzte naturnahe und weitgehend freifließende Strom in Deutschland. Gerade der Elbabschnitt bei Wittenberg gilt aufgrund der ausgedehnten Sand-, Kies- und Schlickbänke als besonders wertvoll. Hier leben geschützte Pflanzen und Tiere wie der Fischotter. Am 16. Oktober hatten über 100 Elbeschützer aus Protest gegen den Ausbau Bagger besetzt. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet heute über einen Baustopp, nachdem BUND und NABU eine einstweilige Verfügung beantragt haben. ots Originaltext: WWF Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Weitere Informationen: Ernst-Paul Dörfler, BUND-Elbe-Experte, Tel. 03 92 44-290, Funk: 0171 / 18 32 194 Georg Rast, Referent für Wasserbau im WWF-Auen-Institut, Rastatt, Tel.: 0 170 / 344 38 80 Rocco Buchta, NABU-Elbe-Experte, Tel.: 0 33872 / 743 14 Original-Content von: WWF World Wide Fund For Nature, übermittelt durch news aktuell

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