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WWF und Verbraucher-Zentrale NRW warnen vor Gesundheitsschäden: Kunststoffprodukte bringen Hormonhaushalt durcheinander

Berlin (ots) - Kunststoffe machen das Leben bequem, bunt - und oft auch gefährlich: Ob Elektronikartikel, Kinderspielzeug, Textilien oder Baumaterialien - viele von ihnen enthalten giftige Zusätze wie bromierte Flammschutzmittel, Phthalate (PVC-Weichmacher) oder Organozinnverbindungen, die hormonell wirksam sind und die menschliche Gesundheit und die Umwelt schädigen können. Säuglinge und Kleinkinder sind besonders gefährdet. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie, die der WWF und die Verbraucher-Zentrale NRW heute vorgestellt haben. Die Studie beruht auf neuen Daten, die im Rahmen der EU-Risikobewertung von Chemikalien bearbeitet werden, und Daten des Bundesinstitutes für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BGVV). Sie bietet erstmals einen Überblick über die Verbreitung und Bedeutung wichtiger Kunststoffzusätze, die im Verdacht stehen, hormonell wirksam zu sein. "Es ist unverantwortlich, dass Konsumartikeln Chemikalien beigemengt werden, die Säuglinge und Kleinkinder schädigen können", kritisierte Patricia Cameron, Chemieexpertin des WWF. "Diese Stoffe können in der Natur nicht abgebaut werden und erreichen uns über die Nahrungskette in noch höheren Konzentrationen." Der WWF fordert ein sofortiges Verbot dieser giftigen Zusätze für Konsumartikel, eine Importkontrolle und die Entwicklung von umweltverträglichen Alternativen. Hersteller von Kunststoffartikeln müssen viel stärker darauf achten, nur solche Materialien zu verwenden, die keine gefährlichen Stoffe freisetzen. "VerbraucherInnen haben verschiedene Möglichkeiten, mit den Risiken durch hormonähnliche Kunststoffzusätze umzugehen", sagte Dr. Joachim Dullin von der Verbraucher-Zentrale NRW. "Belastungen im Haus können durch regelmäßiges Lüften und Entfernen des Hausstaubs vermindert werden. Mindestens genau so wichtig ist jedoch ein kritisches Kaufverhalten, durch das gesundheitsschädigenden Produkten eine Absage erteilt wird." Bromierte Flammschutzmittel bewahren Schaumstoffe in Baumaterial, Sitzmöbeln, Matratzen und Autos oder Gehäuse von Computern und Fernsehern davor, schnell Feuer zu fangen. Die Stoffe lösen sich durch Wärme oder Wasser aus dem Kunststoff und reichern sich über die Nahrungskette an. Sie finden sich in Fischen, im menschlichen Fettgewebe und in der Muttermilch - mit steigender Tendenz. Einer dieser Stoffe steht im Verdacht, krebserregend zu sein, andere führten bei Tierversuchen zu Entwicklungs- und Verhaltensstörungen. Wissenschaftler halten eine Schädigung von Ungeborenen während der Schwangerschaft oder bei Säuglingen über die Muttermilch für möglich. Es ist zu befürchten, dass bereits durch sehr geringe Konzentrationen entscheidende Entwicklungsvorgänge von Zentralnervensystem und späterer Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigt werden können. Phthalate, die zu den sogenannten Weichmachern gehören, machen z.B. PVC biegsam. Man findet sie in Spielsachen, Regenkleidung oder Materialien für die Wohnungseinrichtung, sowie in Farben und Klebern. Der Mensch nimmt sie über Haut, Mund und Atmung auf. Phthalate können bei Tieren die männlichen Fortpflanzungsorgane schädigen und zu Entwicklungsstörungen bei den Nachkommen führen. Es ist zu befürchten, dass auch die menschliche Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigt werden kann. Für Säuglinge und Kleinkinder kann die Gesamtbelastung bei intensivem Kontakt mit Spielzeug, Kinderartikeln oder einer PVC-reichen Wohnungseinrichtung und belasteten Nahrung gesundheitsschädlich werden. Bedenklich für die menschliche Gesundheit sind auch Organozinnverbindungen wie Dibutylzinn (DBT), die als Hitze- und UV-Stabilisatoren in durchsichtigen PVC-Produkten, Bodenbelägen, neuen Trinkwasserrohren oder Textilaufdrucken stecken. DBT kann das Immunsystem schädigen und auch mit Tributylzinn (TBT) verunreinigt sein, das hormonell wirksam ist. TBT ist als Gift gegen Schimmelpilze und Bakterien auch Produkten zugesetzt, die ständig feucht werden oder hygienisch sicher sein sollen, wie beschichtete Textilplanen oder Fahrradhosen. Organozinnverbindungen gelangen aus Textilien über die Haut in den Körper sowie über Kläranlagen oder direkt in Flüsse und Meere und reichern sich in Meerestieren an. Erst kürzlich wurden sie auch in Speisefischen und Fischkonserven nachgewiesen. Auch ist eine Belastung der Nahrung mit Dioctylzinn (DOT) bedenklich, da dies Lebensmittelverpackungen beigemengt wird und das Immunsystem schädigen kann. Zur Abwendung der bestehenden Risiken sind verantwortungsvolle Politiker und innovative Unternehmer ebenso gefordert wie kritische VerbraucherInnen. ots Originaltext: Umweltstiftung WWF-Deutschland Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an: Patricia Cameron, WWF, Tel. 0171-3426928, oder 0421-6584616 (ab Donnerstag) Dr. Joachim Dullin, Verbraucher-Zentrale NRW, Tel. 0211-3809192 (ab Donnerstag) Studie und Faltblatt zum Thema Gefahren für die menschliche Gesundheit durch hormonell wirksame Zusätze in Kunststoffprodukten erhalten Sie von: Gabriele Kranz, Tel. 0421-6584618 und bei der Verbraucher-Zentrale NRW, Tel. 0211-3809160 Original-Content von: WWF World Wide Fund For Nature, übermittelt durch news aktuell

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