WWF World Wide Fund For Nature

Aus Fehlern lernen
Internationale Wasserstraßenkonferenz verabschiedet Resolution für nachhaltige Nutzung von Flüssen

    Königswinter (ots) -  Empfehlungen für eine umwelt- und sozial
verträgliche Nutzung von Flüssen verabschiedeten heute Vertreter aus
Politik, Wasserbau, Flusskommissionen, von indigenen Gruppen sowie
Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen in Königswinter. 52
Teilnehmer aus 12 Ländern diskutieren seit gestern auf der
internationalen Konferenz "Wasserstraßen und nachhaltige
Entwicklung". Organisiert wird die Tagung von der Deutschen
Hidrovia-Koordination, einem Zusammenschluss verschiedener
Organisationen wie WWF, Gesellschaft für bedrohte Völker und
Urgewald.
      
    "Die Tagung zeigt, dass wir heute genau wissen, wie Flüsse
ökologisch funktionieren und welche Schäden ihr Ausbau verursacht -
jetzt müssen wir dieses Wissen endlich anwenden", betonte
Tagungsleiterin Dr. Edith Wenger vom WWF-Auen-Institut. Beispiele aus
allen Kontinenten bestätigten, dass sich die Probleme beim Bau von
Wasserstraßen wiederholen. "In Brasilien werden momentan die gleichen
Fehler gemacht wie am Rhein vor 150 Jahren", mahnte Wenger.

    In einer gemeinsamen Resolution fordern die Konferenzteilnehmer,
künftig bei Wasserstraßenvorhaben alle entstehenden Kosten
einzurechnen, beispielsweise Auswirkungen auf die Umwelt und die
Bevölkerung entlang der Flüsse. "Viele Vorhaben werden jedoch
schöngerechnet", kritisierte Wenger.
    
    Der brasilianische Indio Samuel Karaja berichtete von den
Auswirkungen, welche die geplante Wasserstraße Araguaia-Tocantins auf
sein Volk haben wird. So ist zu befürchten, dass viele Tier- und
Pflanzenarten verlorengehen. Die Karaja-Indianer, die überwiegend vom
Fischfang und der Jagd leben, würden dadurch ihrer Nahrungsgrundlage
beraubt. Schon jetzt gebe es Gesundheitsprobleme, weil das Wasser
durch die zunehmende Industrialisierung verschmutzt werde. "Viele von
uns sehen nur zwei Möglichkeiten: Entweder wir sterben durch die
zunehmende Verschmutzung des Wassers, oder wir verlassen unsere
Heimat und landen in den Slums großer Städte", sagte der
Karaja-Anwalt, der sich für die Rechte seiner Volksgruppe einsetzt.
Eine weitere Forderung der Resolution lautet, Betroffene frühzeitig
an den Planungen zu beteiligen und ihnen ein Mitspracherecht
einzuräumen.
    
    Thema waren auch der Ausbau von Rhein und Mississippi, die nicht
nur ökologische Schäden hervorriefen, sondern auch die
Hochwassergefahr verschärft haben. Planungen zum Bau eines
transeuropäischen Netzwerks (TEN), das mehrere europäische Flüsse,
darunter Elbe und Donau, einbezieht, wurden vorgestellt. "Ein
moderner Umgang mit Flüssen darf nicht nur den wirtschaftlichen
Aspekt berücksichtigen, sondern muss den Fluss ganzheitlich
betrachten", unterstrich Eric van den Eede, Präsident der
internationalen Schifffahrtsorganisation PIANC abschließend.
    
ots Originaltext: WWF
Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de


Weitere Informationen:
Anja Rech, WWF-Pressereferentin, Tel. vor Ort: 0171/589 72 26
Dr. Edith Wenger, WWF-Auen-Institut, Tel. 072 22/38 07-20
Dr. Martin Friedrich, Universität Tübingen, Tel. 07 071/29 74 053
Internet:  www.panda.org/europe/freshwater

Original-Content von: WWF World Wide Fund For Nature, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: WWF World Wide Fund For Nature

Das könnte Sie auch interessieren: