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Bergbau an Theiß hinterlässt schweres Umwelt-Erbe
WWF-Experten-Analyse: Gefahr an rumänischen Unglücksbecken noch immer nicht gebannt, langfristige Probleme absehbar

    Rastatt / Wien (ots) - Rumänien benötigt dringend internationale Unterstützung, um die Folgeschäden der Bergbauindustrie auf die Umwelt bewältigen zu können. Dies zeigen erste Resultate einer Untersuchung, die Bergbau- und Umwelt-Experten im Auftrag des WWF Donau-Karpaten-Programms im Minengebiet an der oberen Theiß vorgenommen haben. Der detaillierte Bericht wird Mitte Mai vorgestellt.

    Das Experten-Team unter Leitung von Prof. Karl E. Lorber geht in einer ersten Risikoeinschätzung davon aus, dass der Bergbau in der nordrumänischen Gegend von Maramuresch aus wirtschaftlichen Gründen - trotz aller damit verbundenen sozialen Probleme - mittelfristig eingestellt werden wird. "Dabei dürfen keine Altlasten zurückbleiben! Sie würden nicht nur lokal, sondern im gesamten Theiß-Gebiet enorme Umweltschäden bewirken", betont Prof. Lorber. Ein Grund dafür ist ein für diese Bergbauregion spezielles Problem: Neben Gold und Silber liegen dort Kupfer, Zink, Blei, Eisen und Arsen in sulfidischer Form vor. Bei Luft-Kontakt tritt die sogenannte Pyrit-Oxidation auf, wobei Mikroorganismen Schwefelsäure bilden und Schwermetalle löslich werden. Diese gelangen dann ins Oberflächen- und Grundwasser, welches als Trinkwasser genutzt wird. Hier müssen entsprechende Schutzmaßnahmen erfolgen.

    "Der am 10. März 2000 geborstene Damm in Baia Borsa stellt noch immer ein Risiko für die Umwelt dar", mahnt Prof. Lorber nach seinem kürzlichen Besuch vor Ort. Es liegen nun auch weitere Erkenntnisse über die Ursachen für den Dammbruch vor:

    * Es gab kein Sicherheitssystem. Ein Überlauf zur Hochwasser-Entlastung fehlte.     * Die Kapazität der Pumpen reichte nicht aus, um das zusätzliche Niederschlags- und Hangwasser abzupumpen.     * Der Sicherheits-Abstand zwischen Wasseroberfläche und Dammkrone war zu gering: Erstens wurde der Damm langsamer als geplant errichtet und hatte zur Unfallzeit eine zu geringe Höhe. Zudem wurden keine Extrem-Ereignisse wie Jahrhundert-Niederschläge berücksichtigt.

    "Dringende Schutzmaßnahmen lassen noch immer auf sich warten", stellt  Philip Weller, Direktor des WWF Donau-Karpaten-Programms, fest. Es müsse so schnell wie möglich der unterste Schutzdamm mit den Sedimentationsbecken wiederhergestellt werden, damit die mit Schwermetallen belasteten Schlammteilchen nicht weiterhin in die Theiß gelangen. "Zudem muss sofort ein Sicherheitssystem zum kontrollierten Abführen von Hochwassern installiert werden, damit sich die Katastrophe nicht wiederholen kann", sagt der WWF-Mitarbeiter.

    Auch die AURUL Goldaufbereitungs-Anlage in Baia Mare bereitet dem
WWF noch Sorgen. Bei diesem Damm sei ebenfalls das Freiboard (der
Abstand zwischen Wasseroberfläche im Teich und der Dammkrone) zu
gering. Zwar ist die Goldproduktion eingestellt und die
Reparaturarbeiten sind noch in Gange. Verschiedene
Sicherheitsvorrichtungen wie z.B. ein Auffangbecken zur
Hypochlorit-Behandlung von Überstandswasser fehlen aber nach Angaben
des WWF-Experten nach wie vor.
    
    
ots Originaltext: WWF
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Weitere Informationen erhalten Sie bei:
Philip Weller, Leiter des WWF Donau-Karpaten-Programms (DCPO), Wien,
Tel. +43 1 488 17 257

Jasmine Bachmann, Feuchtgebiets-Spezialistin im DCPO, Tel. +43 1 488
17 270
Anja Rech, Pressereferentin im WWF-Auen-Institut, Tel.: 0 72 22/38
07-14, Fax -99

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