WWF World Wide Fund For Nature

Die Wümme - ein Modell für mehr Natur an Europas Flüssen
WWF-Studie zeigt Erfolge und Konflikte bei Flussrenaturierungen in Deutschland und Europa

    Bremen (ots) -  An praktisch allen Flüssen in Europa hat der
Mensch zerstörend eingegriffen. Um sie wenigstens teilweise wieder zu
funktionsfähigen natürlichen Lebensräumen zu entwickeln, engagiert
sich die Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF) zur Zeit in
71 Renaturierungs-Projekten in Europa. Eine heute in Bremen
vorgestellte Studie fasst die Erfahrungen aus zehn dieser Projekte
zusammen, darunter die Wümmewiesen bei Bremen, Gebiete am Rhein, aber
auch im rumänischen Donaudelta. So findet man an der Wümme wieder
vermehrt Tiere wie den seltenen Otter; Konflikte mit Nutzergruppen
wie Sportfischern konnten entschärft werden.
    
    Für Christoph Zöckler, der im Auftrag des WWF International die
Studie erstellte, zeigte sich, dass Renaturierungen erst dann
sinnvoll sind, wenn sie mehr als nur einzelne Flussabschnitte
umfassen. "Tiere wie der Biber und der Otter brauchen großräumige,
verzweigte Gewässerläufe, um wieder heimisch zu werden", erläuterte
der Biologe Zöckler. Auch wandernde Fische wie der Lachs seien darauf
angewiesen, dass ein Gewässer durchgängig und nicht durch
unüberwindliche Hindernisse wie Wehre und Staustufen versperrt sei.
"Diese Probleme löst man nur, indem man dem Fluss mehr Raum lässt, um
sich auszubreiten", resümierte Zöckler. Dies gelang dem WWF im
rumänischen Donaudelta, wo seit den 60er Jahren fast 40.000 Hektar
trockengelegt worden waren. Der WWF und seine Projektpartner öffneten
seit 1990 an einigen Stellen die Deiche und schlossen die Gebiete
wieder an das natürliche Überflutungsgeschehen an. Heute tummeln sich
über zwanzig Fischarten an Stellen, an denen es vor der Renaturierung
nur noch eine Fischart gab.
    
    Gerade im dichtbesiedelten Mitteleuropa ist es jedoch nicht
überall möglich, den Fluss und seine Auen sich selbst zu überlassen.
Verhindert werden müsse aber, dass immer wieder wertvolle
Feuchtgebiete verloren gehen: Eine weitere Bebauung an Flüssen oder
intensive Formen der Nutzung lehnt der WWF ab. Jeder überbaute Hektar
in der Flussaue verschärfe zudem die Hochwassergefahr.
    
    Der WWF fordert auch, Geld bewusster einzusetzen: "Oft finden
parallel Schädigungen und Wiedergutmachungen am gleichen Fluss statt
- dies ist reine Geldverschwendung", betonte Zöckler. Denn: "Die
schädlichen Eingriffe von heute sind die Renaturierungskosten von
morgen!" Dass eine Flussrenaturierung sogar wirtschaftliche Vorteile
bringt, zeigt ein Beispiel im Donaudelta. Seit die Fische in den
ehemaligen Polder Babina zurückgekehrt sind, können sich 15 Fischer
wieder - ganz wie früher - vom Fischfang ernähren. In Deutschland
zieht unter anderem der Tourismus Nutzen aus naturnahen
Flusslandschaften.
    
    Die Wümme bei Bremen schätzen nicht nur Ausflügler, sondern auch
Sportfischer und Kanuten nutzen den Fluss. "Als Anfang der 80er Jahre
bekannt wurde, dass die Borgfelder Wümmewiesen unter Naturschutz
gestellt werden sollen, gab es zunächst viel Widerstand von Nutzern
wie den Anglern", erinnert sich Gunnar Oertel, Leiter des
WWF-Projektbüros Wümmewiesen. Er ist stolz darauf, dass die
Sportfischer heute eng mit dem Naturschutz zusammenarbeiten. "Als
eine Folge der Renaturierung nahm der Fischreichtum in der Wümme
wieder zu. Die Angler erkannten, dass dies auch in ihrem Interesse
liegt." Das habe sie darüber hinweggetröstet, dass das Angeln heute
an weniger Stellen möglich ist.
    
    Als Schlüssel zum Erfolg sieht Oertel den Ankauf von mehr als 300
Hektar landwirtschaftlichen Flächen in den Borgfelder Wümmewiesen.
Man könne keinem Landwirt zumuten, dass die Weiden, wo bisher Kühe
grasten, künftig häufig überschwemmt sind. "Wenn der Naturschutz
jedoch selbst Eigentümer ist, lassen sich viele Konflikte vermeiden",
sagte er.
    
    Verblüffend schnell hat sich an der Wümme nun wieder eine
naturnahe Pflanzenwelt eingestellt. Der Fischotter hat sich
ausgebreitet und die Grüne Keiljungfer, eine gefährdete Libellenart,
ist heimisch geworden. Zur Finanzierung der Flächen beigetragen haben
neben dem Bundesumweltministerium und dem Land Bremen seit 1990 auch
der WWF-Förderkreis Wümmewiesen.
    
ots Originaltext: WWF
Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de


Weitere Informationen erhalten Sie bei:
Gunnar Oertel
WWF-Projektbüro Wümmewiesen
Tel.: 0 421/71006, Fax: 79 49 393

Anja Rech
Pressereferentin im WWF-Auen-Institut
Tel.: 0 171 / 589 72 26
E-Mail: rech@wwf.de
Internet: www.wwf.de

Original-Content von: WWF World Wide Fund For Nature, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: WWF World Wide Fund For Nature

Das könnte Sie auch interessieren: