WWF World Wide Fund For Nature

Verbraucher und Umwelt vor Organozinn-Giften schützen
WWF: Bundesregierung muss TBT und das Pestizid TPT verbieten

Berlin (ots) - Hormonell wirksame Chemikalien wie TBT und andere Organozinnverbindungen können schon in geringsten Mengen, insbesondere bei Ungeborenen und Kleinkindern schwerste Entwicklungsstörungen beim Wachstum, Nervensystem und der Fruchtbarkeit verursachen. Am Montag begann in Berlin eine Expertenanhörung, bei der die aktuellsten Forschungsergebnisse zu Organozinnverbindungen wie TBT (Tributylzinn) und TPT (Triphenylzinn) vorgestellt wurden. Heute folgt im Beisein von Bundesumweltminister Trittin eine Industrieanhörung der Organozinn produzierenden und verwendenden Industrie, wo diese Daten über Produktionsmengen, Verwendung und mögliche Alternativen offenlegen soll. Damit soll die Basis für ein nationales Verbot dieser hochgiftigen Chemikalien in Deutschland geschaffen werden. "Die Bundesregierung muss endlich handeln und einen wirksamen Schutz der Verbraucher und der Umwelt vor diesen giftigen Chemikalien durchsetzen", forderte Dr. Sabine Otto, Chemieexpertin des WWF. Zu den Organozinnverbindungen gehören neben TBT auch das in der Landwirtschaft als Pestizid eingesetzte TPT sowie das DBT (Dibutylzinn). TBT hat über seine Verwendung als Antibewuchsmittel auf Schiffsrümpfen schon bei weltweit über 160 Meeresschneckenarten Fruchtbarkeitsstörungen verursacht. Es findet sich heute in allen Gliedern der Nahrungskette bis hin zu Meeressäugern und Speisefischen. Erst vor kurzem wurden TBT-Konzentrationen in Speisefischen und Fischkonserven gefunden, deren Werte den von der Weltgesundheitsorganisation zugelassenen Grenzwert z.T. überschritten. Erst kürzlich wurden Flussbarsche mit Riesenhoden entdeckt, die im stark TBT-belasteteten Wasser lebten. Besonders problematisch sind Befunde, die schädigende Effekte auf das Hormonsystem des Menschen nachweisen. Vor zwei Monaten wurde TBT auch in Sporttextilien festgestellt, wo es als Desinfektionsmittel Verwendung findet. Neben seiner ebenfalls desinfizierenden Wirkung in Textilien wird DBT in Kunststoffen als Hitzestabilisator beigemengt. Es gilt als giftig für das Immun- und Fortpflanzungssystem und enthält zudem als Verunreinigung bis zu 1 % TBT, was allein in Deutschland zu einem jährlichen TBT-Eintrag von 50 Tonnen in die Umwelt führt. Das ist mehr als die Menge, die über den Einsatz von TBT als Desinfektionsmittel und im Materialschutz in die Umwelt gelangen. TPT wird als Pflanzenschutzmittel mit dem Produktnamen Brestan flächendeckend im Kartoffelanbau angewandt und ist nach neuesten Erkenntnissen mindestens ebenso stark hormonell wirksam wie das verwandte TBT. Zudem ist TPT in der Umwelt nicht abbaubar und reichert sich in Organismen an. Die Bundesregierung muss deswegen TPT-haltige Pestizide endlich dauerhaft verbieten. Die angekündigte 2-monatige Aussetzung der Zulassung ist völlig unzureichend. Die ausgebrachte Menge an TPT entspricht derjenigen Menge an TBT, die über die Schifffahrt die Umwelt verseucht. Rückstände von TPT in Oberflächengewässern und Süßwasserfischen sind extrem hoch. Auch findet sich TPT auf Obst und Zuckerrüben, von letzteren gelangt es in die Kuhmilch. Diese Fakten sind dem Umwelt- und Gesundheitsministerium schon seit vielen Jahren bekannt, ohne dass wirksame Konsequenzen gezogen wurden. Deshalb fordert der WWF: * Ein nationales Verbot von TBT für die gesamte Schifffahrt spätestens ab 2003 * Nationale Anwendungsverbote für TBT und DBT als Desinfektionsmittel und in Konsumartikeln * Dauerhafte Rücknahme der Zulassung für alle TPT-haltigen Pestizide wie Brestan * Systematische Untersuchung aller anderen Organozinnverbindungen auf mögliche umwelt- und gesundheitsgefährdende Eigenschaften ots Originaltext: WWF Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an: WWF Fachbereich Meere und Küsten Patricia Cameron, Tel. 04558-545 oder 0171-34 26 928 Dr. Sabine Otto, Tel. 0421-6584615 (ab Mittwoch) Original-Content von: WWF World Wide Fund For Nature, übermittelt durch news aktuell

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