WWF World Wide Fund For Nature

Nach Giftflut drohen Tiere an Theiß zu verhungern
WWF-Forderungen nach Ortsbesichtigung
Treffen mit EU-Kommission

Rastatt, Brüssel (ots) - Nach einer Ortsbesichtigung am rumänischen Unglücksort Baia Mare und am Ufer der Theiß in Ungarn erläuterten die WWF-Mitarbeiterinnen Dr. Erika Schneider und Anja Rech in einer Pressekonferenz in Rastatt ihre Einschätzung dieses Unglücks. Morgen wird der WWF bei einem Treffen der EU mit der Bergbauindustrie in Brüssel der EU-Umweltkommission seine Forderungen übergeben. "Noch immer gibt es keine genauen Informationen darüber, wieviel und welche Schwermetalle ausgetreten sind", sagte die Donau-Expertin Schneider. "Hier tickt noch eine Zeitbombe, die so schnell wie möglich entschärft werden muss." Bei dem Dammbruch im Abwasser-Auffangbecken eines rumänischen Bergbaubetriebes waren am 30. Januar etwa 100.000 m3 cyanid- und schwermetallverseuchtes Wasser in Nebenflüsse der Theiß und von dort in die Donau geflossen. Gestern erreichte die Giftwelle die rumänische Stadt Turnu Magurele mit einer Cyanid-Konzentration von 0,072 Milligramm pro Liter. Sie ist nun noch 600 Kilometer vom artenreichen Donaudelta entfernt und wird sich nach Einschätzung des WWF bis dahin soweit verdünnt haben, dass keine Gefahr mehr für das Leben in der Donau besteht. Zusammen mit dem giftigen Wasser entwichen auch geringere Mengen schwermetallhaltigen Schlamms. "Dieser Schlamm liegt noch ungesichert auf den Feldern nahe des Beckens und wird mit jedem Regen in den Fluss geschwemmt", erläuterte Schneider. Der WWF fordert als eine der ersten Sofortmaßnahmen, diesen Schlamm durch einen Damm zurückzuhalten. Um zu beurteilen, wie lange eine Wiederbelebung der vergifteten Flussabschnitte dauern wird, muss, so die Biologin Schneider, ermittelt werden, welche Kleinstlebewesen wie Wasserflöhe, Krebse und Insekten die Giftflut überlebt haben. "Man kann wieder Fische in den Fluss einsetzen, doch solange ihre Lebensgrundlage fehlt, weil es kaum mehr Kleintiere im Fluss gibt, werden sie verhungern", mahnte sie. Genaue Untersuchungen müssen nun zeigen, wie groß das Ausmaß dieser Katastrophe wirklich ist. "Besonders in den Flussbereichen nahe der Unfallstelle ist praktisch alles Leben ausgelöscht - hier wird es Jahre dauern, bis das Leben zurückkehrt", wiederholte Schneider die Einschätzung des WWF. Auch größere, fischfressende Tiere wie Reiher oder Biber seien nach wie vor bedroht, weil ihre Nahrungsgrundlage in den schwer geschädigten Gewässern fehle. "Eine Hoffnung haben wir jedoch: Dass die Theiß von den Organismen aus den naturnahen Nebenflüssen wiederbesiedelt wird", sagte Schneider. Zu diesem Thema hat das WWF-Auen-Institut umfangreiche Erfahrungen nach dem Sandoz-Chemieunfall im Rhein 1986. Der WWF wird morgen bei einem Treffen der Bergbauindustrie mit der Europäischen Kommission in Brüssel aufzeigen, dass diese Umweltkatastrophe vorhersehbar war und vermeidbar war. Tony Long, Direktor des WWF-European Policy Office in Brüssel, betonte: "Wir brauchen von der Bergbauindustrie eine sichere Zusage, dass sie ihre Technik auf den Stand des 21. Jahrhunderts bringt. Nur ausreichende Umweltstandards werden dem Bergbau das öffentliche Vertrauen zurückgeben." Schon vor einem Jahr hatte der WWF der EU-Umweltkommission eine Studie vorgelegt mit Informationen über die Abwasserentsorgung in Erzabbau-Betrieben der EU-Länder. Darin findet sich unter anderem der Nachweis für signifikante Umweltverschmutzungen durch Lecks in Kläranlagen in mehreren Ländern, darunter Schweden, Spanien und Italien. Die Studie enthält eine Liste mit Standorten von Entsorgungsanlagen größerer Bergwerke sowie Informationen über Mängel bei der öffentlichen Aufklärung der Anwohner und mangelhafte Schutzvorkehrungen für Mensch und Natur. Der WWF forderte die Europäische Kommission schon damals auf, eine komplette Liste der bisherigen Unfälle und der möglichen Gefahrenstandorte vorzulegen. Außerdem müsse es einen Aktionsplan geben, der die Risiken minimiert und die Sicherheit solcher Entsorgungsanlagen verbessert. Und es gelte, gesetzliche Grundlagen zu schaffen, um für die entstandenen Schäden aufzukommen. Bei einer Pressekonferenz in Baia Mare letzten Donnerstag sicherte EU-Umweltkommissarin Margot Wallström zu, diesen Plan schnellstmöglich umzusetzen. ots Originaltext: WWF Deutschland Im Internet recherchierbar: http://www.newsaktuell.de Weitere Informationen und betacam-Material erhalten Sie bei: Dr. Erika Schneider, Donau-Expertin im WWF-Auen-Institut, Tel.: 0 72 22/38 07-21 Anja Rech, Pressereferentin im WWF-Auen-Institut, Tel.: 0 72 22/38 07-14, Fax -99 E-Mail: rech@wwf.de, Internet: http://www.wwf.dk/freshwater/publications.html Dort finden Sie die Studie "Toxic waste storage sites in EU countries". Brüssel: Julian Scola, Press Officer, WWF European Policy Office, Tel: +32 2 743 8806, email: jscola@wwfnet.org Original-Content von: WWF World Wide Fund For Nature, übermittelt durch news aktuell

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