WWF World Wide Fund For Nature

WWF: TBT-Konzentration in Sporttextilien ist alarmierend
TBT in geringsten Mengen hormonell wirksam

Bremen (ots) - Die Belastung der kürzlich untersuchten Sporttextilien mit TBT ist alarmierend. TBT kann bereits in geringsten Konzentrationen in das Hormonsystem eingreifen und die Ausbildung weiblicher Geschlechtshormone verhindern. "Dass eine so giftige Chemikalie heute noch in Gegenständen des menschlichen Gebrauchs zu finden ist, ist ein Skandal!" kritisiert Patricia Cameron, Chemieexpertin des WWF. Der WWF widerspricht damit Aussagen des Berliner Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz (BgVV), das die TBT-Konzentrationen in den untersuchten Trikots als unbedenklich bewertet hat. In den untersuchten Fußballtrikots wurden TBT-Werte von 2,2 Mikrogramm pro Kilogramm nachgewiesen. Da es sich bei TBT um eine extrem giftige Chemikalie handelt, hat die Weltgesundheitsorganisation die täglich zulässige Aufnahmemenge von TBT für einen Menschen von 60 kg Körpergewicht auf 15 Mikrogramm TBT begrenzt. Dabei wurde nicht berücksichtigt, dass TBT bereits bei 1000fach geringeren Konzentrationen in das Hormonsystem eingreift und schwerwiegende Störungen bei Menschen und Tieren hervorrufen kann, auch über mehrere Generationen. TBT und andere hormonell wirksame Schadstoffe schädigen insbesondere den sich im Mutterleib entwickelnden Embryo und führen zu weitreichenden Folgen bei den Kindern, von Fruchtbarkeitsstörungen bis hin zu Störungen des Zentralnervensystems und damit des späteren Verhaltens. TBT ist so giftig, dass es von vielen Ländern schon vor über 10 Jahren für die Sportschifffahrt verboten wurde, ab 2003 soll die Verwendung von TBT weltweit für die gesamte Schifffahrt verboten werden. Bereits seit Jahren ist dem BgVV jedoch bekannt, dass TBT nicht ausschließlich für Schiffsanstriche verwendet wird. Entsprechende Kontrollmessungen sind jedoch offensichtlich unterblieben oder nicht bekannt geworden. Die hohen TBT-Werte, die vor einigen Tagen in verschiedenen Sportartikeln gefunden wurden deuten darauf hin, dass das Gift auch in vielen anderen Textilien enthalten sein könnte: "Wenn bei einer stichprobenartigen Untersuchung von 18 Textilien schon in 10 Artikeln TBT gefunden wird, so ist dies möglicherweise nur die Spitze des Eisbergs", befürchtet Cameron. Der WWF fordert deshalb von der TBT-produzierenden Industrie eine Offenlegung ihrer Produktions- und Verwendungsdaten sowie vom Bundesgesundheitsministerium eine umfassende Untersuchung aller in Frage kommenden Konsumartikel sowie ein sofortiges Verbot der Verwendung von TBT in sämtlichen Konsumgütern. Da nicht nur deutsche Produkte den Verbraucher erreichen, sind Einfuhrverbote für entsprechende Artikel zu erlassen. TBT wird wegen seiner desinfizierenden und konservierenden Wirkung in erster Linie Textilien beigemischt, die besonderen Belastungen durch Feuchtigkeit von innen und außen ausgesetzt sind wie Sportartikel aber auch "Outdoor"-Textilien oder Teppiche in Kaufhäusern. Allerdings sind Textilien nicht die einzige Aufnahmequelle für den Menschen. Auch Speisefische sind weltweit belastet, bei einigen Arten wird der Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation weit überschreiten. Wissenschaftler haben TBT heute schon in menschlichen Geweben nachweisen können, z.B. in Lebern von Menschen aus Polen und Japan sowie in Blutproben der amerikanischen Bevölkerung. TBT wird hauptsächlich in der Schifffahrt zur Bewuchsverhinderung auf Schiffsrümpfen verwendet und führt zur Abtötung der darauf wachsenden Organismen. Aus den Schiffsanstrichen gelangt es ins Wasser und schädigt dort zahlreiche Meereslebewesen. Da TBT sich nur schwer abbaut, ist es heute in allen Meereslebewesen zu finden, von Schnecken bis zu Bartenwalen und Tiefseeorganismen, die damit niemals in direkte Berührung gekommen sind. Bei weiblichen Meeresschnecken kommt es über eine Blockade der weiblichen Geschlechtshormone zur Ausbildung von Penissen, und auch für den Menschen konnte erst kürzlich eine entsprechende Hemmung der weiblichen Hormone nachgewiesen werden. ots Originaltext: WWF Im Internet recherchierbar: http://www.newsaktuell.de Für Rückfragen und wenden Sie sich bitte an: WWF-Fachbereich Meere & Küsten Patricia Cameron, Tel. 04558-545 (am Sonntag), Tel. 0421-65846-16 (ab Montag) Dr. Sabine Otto, Tel. 0421-414378 (am Sonntag), Tel. 0421-65846-15 (ab Montag) Original-Content von: WWF World Wide Fund For Nature, übermittelt durch news aktuell

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