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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu VW

Bielefeld (ots) - Die Beschimpfungen der Kleinanleger in Richtung VW-Spitze waren vorhersehbar. Dass aber das Land Niedersachsen als Großaktionär den Konzern abwatscht, das kam - zumindest für Außenstehende - eher überraschend. Doch es war letztlich bloß eine politische Geste, weder Ex-Konzernchef Martin Winterkorn noch VW-Markenvorstand Herbert Diess mit einer Stimmenthaltung bei der Entlastungsfrage das Vertrauen zu entziehen. Wohl wissend, dass die Mehrheitsverhältnisse für die Entlastung ausreichen würden, konnte man getrost Neutralität wahren - was in der Öffentlichkeit und damit bei den Wählern gut ankommt. Vermutlich nicht so sehr bei den Eigentümerfamilien Piëch und Porsche, die gerne eine einstimmige Beschlusslage gesehen hätten. Hier deutet sich an, dass der Graben zwischen diesen Parteien tiefer wird. Sicherung der Arbeitsplätze und Steuereinnahmen sollten aber ausreichen, um stabile Brücken darüber errichten zu können. Gleichwohl sind es auch Winterkorn und Diess, gegen die derzeit Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts einer möglichen Marktmanipulation laufen. Es gibt dafür Anhaltspunkte - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Vor diesem Hintergrund ist der Schritt des Landes Niedersachsen erst recht zu verstehen. Die Zweifel an Aufsichtsrat-Chef Hans Dieter Pötsch indes sind angesichts dieser Ermittlungen nicht zu verstehen. Just Pötsch wäre als damaliger Finanzvorstand eigentlich derjenige, dem solche Manipulationen hätten unterstellt werden können. Doch die Behörden ermitteln nicht gehen Pötsch. Der stärkt unterdessen dem neuen Vorstand mit Chef Matthias Müller den Rücken. Dazu hat er auch allen Grund. Der Konzern befindet sich nach dem Diesel-Skandal auf einem guten Weg. Die Rückrufe werden abgearbeitet, die Gespräche mit der US-Regierung stehen vor einem für beide Seiten zufriedenstellenden Abschluss, und die Strategie für die Zukunft steht. Jetzt müssen nur noch alle Beteiligten mitgenommen werden, auf dem Weg dorthin.

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