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Westfalen-Blatt: zur Enzyklika

Bielefeld (ots) - Glauben hat nichts mit Wissenschaft zu tun. Und doch sind es vor allem die Klimaforscher und Umweltschützer, die Papst Franziskus zur neuen Umwelt-Enzyklika gratulieren. Manch konservativer Vertreter der katholischen Kirche hingegen lehnt sie ab. Kein Wunder: Franziskus glaubt, die Kirche interpretiere das Dogma »Macht euch die Erde untertan« falsch. So viel Selbstkritik verträgt nicht jeder. Das Thema Umweltschutz wurde von der Kirche bislang nur zaghaft behandelt. Bemerkenswert ist deshalb auch die Deutlichkeit der Worte, die der Papst zu diesem Thema findet. Er stellt den Zusammenhang zwischen der Zerstörung der Umwelt und der Armut in vielen Ländern her und verweist damit auf die moralische Dimension des Problems. Für eine Enzyklika ungewöhnlich gibt Franziskus konkrete Lösungsvorschläge, fordert die Abkehr von fossilen Brennstoffen und sogar eine Rezession in Industrieländern. Noch nie zuvor war ein Papst so politisch. Er polarisiert, beeinflusst die Meinung und erreicht damit auch Nichtkatholiken. Das Erscheinen der Enzyklika fünf Monate vor der entscheidenden Klimakonferenz in Paris ist taktisch klug gewählt. Franziskus' Wort hat Gewicht. Es bleibt zu hoffen, dass es auch in der französischen Hauptstadt Gehör findet.

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