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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Raubkunst

Bielefeld (ots) - Weil ihm ein »Platz an der Sonne« zustehe, strebte das Deutsche Reich Ende des 19. Jahrhunderts nach Kolonien in Übersee. Hinter den Weltmächten England und Frankreich wollte man nicht zurückstehen. So erwarb Deutschland »Schutzgebiete« in Afrika, China und im Pazifik. Was den »Wilden« wie selbstverständlich weggenommen und in die Heimat gebracht wurde, füllte die Vitrinen der Völkerkundemuseen und jagte den Besuchern einen Schauer über den Rücken, wenn sie zum Beispiel Schrumpfköpfe zu sehen bekamen. Mehr als 100 Jahre später soll die Art und Weise, wie die Kunstgegenstände »erworben« wurden, nun erforscht werden, fordert Kulturstaatssekretärin Monika Grütters. Den Völkerkundemuseen wird das nicht gefallen, aber viel zu befürchten haben sie nicht. Deutschland will wieder politisch korrekt sein, ein gutes Gewissen haben. Praktische Auswirkungen erwachsen aus Grütters Forderung kaum, denn die Wahrscheinlichkeit, dass in Togo, Kamerun oder China Nachfahren von Menschen, denen Deutsche im 19. Jahrhundert einen wertvollen Kunstgegenstand weggenommen haben, jetzt Rückgabeforderungen stellen, ist gering. Bei der Nazi-Raubkunst sind die zeitliche Nähe und die Aufregung ungleich größer.

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