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Westfalen-Blatt: zum Thema "Gefängnis für Dopingsünder"

Bielefeld (ots) - Sportler müssen Weltklasseleistungen abliefern, damit sie dank ihrer bevorzugten Körperertüchtigung finanziell überleben können. Gut auszusehen, das schadet auch nicht, wenn man sein Einkommen mit Hilfe von Werbung oder Fotos in Männermagazinen ein bisschen aufbessern will. Profund Auskunft geben zu allen Themen: Das kommt auch sehr gelegen, das gibt einen intellektuellen Touch. Aber vor allem: Fairplay. Das ist das Wichtigste. Und deshalb: Doping, nein danke. So sieht das Idealbild des Athleten aus. Ach ja: Natürlich muss den Dopingjägern der Aufenthaltsort des allzeit Verdächtigen bekanntgegeben werden. Privat- oder gar Intimsphäre: Luxus! Die Welt des Sportlers ist schön und bunt und mit Millionen gepflastert. Jetzt werden Sie, liebe Leser, sagen: Die sind doch selber schuld. Hätten sie halt was ordentliches gelernt! Das tun die Meisten nebenher, denn von den paar Euros, die der Staat zahlt, kann selbst ein Asket nichts zurücklegen. Und klar: Gäbe es das Dopingproblem nicht, gäbe es auch keine Anti-Doping-Gesetze. Alles richtig. Aber warum gilt der Besitz von leistungssteigernden Mitteln nur bei Sportlern als strafbar? Warum nur bei Spitzensportlern? Warum gilt in diesem Gesetz Besitzstrafbarkeit ab dem ersten Gramm? Heroin, Kokain - ein kleines Problem, Epo geht gar nicht. Und warum führen Politik und Sportgranden nicht endlich eine Diskussion über Leistungszumutungen? Glänzt in Deutschland wirklich nur Gold? Und das zum Preis eines Plastiklöffels. Denn mehr ist es nicht, was der deutsche Staat dank seiner Steuerzahler seinen Ruhmesmehrern bezahlt, die ihnen dank Medaillenstatistiken die erste Strophe der deutschen Nationalhymne wieder näher bringen sollen. Doping ist ein riesiges Problem. Der Autor dieser Zeilen weiß, wovon er schreibt. Die 80er waren die Hochphase der unerlaubten Leistungsmanipulation. Ich habe gesehen, wie Birgit Dressel sich zwischen den Jahren 1985 und 1986 verändert hat. Ich habe gesehen, wie die Freundin meines Staffelfreundes sich nach dem Wechsel zu Eintracht Hamm verändert hat. Und noch vieles mehr, was der Anstand mir verbietet, es hier zu schreiben. Und damit kommen wir zur Lösung des Problems. Oder zumindest zu einer möglichen radikalen Reduzierung. Warum werden nicht endlich die Athleten befragt? Sie wissen Bescheid über das Wann und Wie und mit wessen Hilfe. Eine pauschale Kriminalisierung ist nicht notwendig. Sie ist ein Popanz, mit dem Politiker und Funktionäre versuchen, ihre Popularität zu steigern. Das neue Anti-Doping-Gesetz bewirkt nur eines: Sportler werden noch ärmere Schweine. Weil Fairplay nur von Sportlern erwartet, aber nicht gewährt wird.

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