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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu einem selbstständigen Kurdenstaat

Bielefeld (ots) - Die Bedenken von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sind berechtigt. Natürlich wollen die Kurden ihren eigenen Staat haben, das wollen sie schon seit einem Jahrhundert. Für ein paar Monate hatten sie es kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, im April 1947, schon mal geschafft, bis der damalige Schah von Persien die kleine Republik Mahabad mit Waffengewalt auflöste. Seither kämpfen sie für ihr Recht auf Selbstbestimmung. Und es gibt, jenseits der bekannten Abwägung (Waffen an die Kurden zu liefern, um einen Völkermord zu vermeiden, also ein kleineres Übel in Kauf zu nehmen um ein schon laufendes großes Übel einzudämmen) auch gewichtige Gründe, den Kurden diesen Staat zu gönnen. Zum einen haben sie eine eigene Kultur, eine eigene Sprache, einen relativ eingrenzbaren Siedlungsraum und sie wären dank des Öls auch wirtschaftlich unabhängig. Es gibt ein Volk, ein Gebiet, eine Nation. Gemäß dem Völkerrechtsprinzip der Selbstbestimmung eine klare Sache und Referenden zu dieser Frage hat es auch schon gegeben, mit weit mehr als 90 Prozent Zustimmung. Was man seit Jahren zum Beispiel den Palästinensern einräumt, bei denen die Sachlage bei weitem nicht so eindeutig ist, kann man den Kurden, dem viertgrößten Volk der Region, eigentlich nicht verwehren. Man hat es bisher immer getan, weil die Nachbarn dagegen waren. Jetzt aber, zweitens, sind die traditionellen Widerstände der potentiellen Nachbarn schwächer geworden. Das Regime Assad würde durch einen Kurdenstaat im Norden entlastet, weil dieser Staat ein Feind der Islamisten wäre und diese in Schach halten könnte. Auch das Regime Erdogan kann bei aller Sympathie für die islamisch-sunnitische Sache einen Puffer zwischen der Türkei und den barbarischen Islamisten im Südosten gebrauchen. Sie sind schlicht eine Bedrohung. Der Irak selbst ist de facto schon zerfallen, da wäre ein halbwegs geordnetes Staatswesen im Norden ein stabilisierender Faktor. Und die schiitischen Mullahs im Iran sehen die Bedrohung durch das sunnitische Kalifat ebenfalls mit Sorge. Es wäre nur eine Frage der Zeit, bis zwischen dem Kalifat und der Mullarchie ein Krieg ausbräche. Außerdem geht es nur um einen Kurden-Staat im Irak selbst, also nur für fünf der 30 Millionen Kurden. Damit könnten sich die Nachbarn abfinden. Natürlich würde so ein Staat eine eigene Dynamik entfalten. Er würde Begehrlichkeiten bei den anderen Kurden, vor allem in der Türkei, wecken und er wäre innerlich keineswegs geeint. Machtkämpfe zwischen den Kurdenclans, den Peshmergas Barsanis und der PKK, wären mehr als wahrscheinlich. Aber solche Machtkämpfe sind Alltag im Vorderen Orient. Steinmeiers Bedenken sind allerdings auch Alltag, diplomatischer Alltag. Er will sich nachher nicht vorwerfen lassen, er habe nicht gewarnt. Nun hat er es getan, jetzt kann man liefern.

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