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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Ecclestone-Prozess

Bielefeld (ots) - Der Bestechungsprozess gegen den Formel-1-Chef Bernie Ecclestone lief am Ende für ihn wie geschmiert. Ein besseres Urteil hätte sich der dubiose Sportfunktionär nicht wünschen können. Umgerechnet fast 75 Millionen Euro zahlt Ecclestone, damit der Fall abgeschlossen ist. Mit Freikaufen habe das nichts zu tun, beteuert sein Anwalt, aber genau danach sieht es aus. Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen? Nein, so einfach ist es nicht. Erstens ließ sich Ecclestones Schuld nicht eindeutig belegen, und zweitens können auch weniger Betuchte vor Gericht die Einstellung eines Verfahrens erreichen. Ecclestone legt eine Rekordsumme hin, aber arm macht den 83-Jährigen das keineswegs. 74,5 Millionen Euro sind für den Engländer nur »Peanuts«, um ein Wort des Ex-Vorstandssprechers der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, aufzugreifen. In jedem Fall muss er nicht ins Gefängnis - so wie der ehemalige Vorstand der Bayern-LB, Gerhard Gribkowsky, den Ecclestone bestochen haben soll und der daraufhin wegen Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung verurteilt worden war. Entscheidend für Ecclestone ist, dass er nach dem Verfahren als unschuldig gilt. Damit kann er sein Lebenswerk, die Formel 1, fortführen - bei einer Verurteilung hätte er wohl gehen müssen, und ein »Held« wäre vom Denkmal gestürzt worden. Für den alten Mann wäre das ein bitterer, rufschädigender Abschied von seinem »Baby« Rennsport geworden. Vorstand Donald MacKenzie vom Formel-1-Mehrheitseigentümer CVC hatte jedenfalls angekündigt: »Wäre bewiesen, dass Herr Ecclestone irgendetwas auf kriminelle Art und Weise falsch gemacht hat, würden wir ihn feuern.« Bernie Ecclestone darf weitermachen und ist doch ein höchst fragwürdiger Held. Er steht wie Fifa-Präsident Joseph Blatter für mächtige Funktionäre, die aus Sportarten Gelddruckmaschinen gemacht haben. Der Engländer, ein Erzkapitalist, Machtmensch, gewiefter Taktiker und Strippenzieher, entwickelte um eine Rennserie herum ein Kommerzspektakel und einen Hype, den TV-Sender wie RTL mit ihren Übertragungen noch anheizen. Wären Michael Schumacher und Sebastian Vettel Bodenturner, würde sie kaum jemand kennen, aber als Formel-1-Piloten werden sie vergöttert, weil sie mit halsbrecherischem Tempo vor den Augen des Jetsets durch Monte Carlo rasten und rasen. Wenn das Geld stimmt, schreckt Ecclestone auch nicht davor zurück, Rennen an diktatorische Länder wie Katar und Aserbaidschan zu vergeben. Die Formel 1 ist ein PS-Spektaktel, in dem einzig und allein das Geld zählt. Ecclestones Leistung kann man respektieren, ein Vorbild ist er nicht. Das sind die Menschen, die sich für Arme, Flüchtlinge, Menschenrechte und den Schutz der Natur einsetzen. Aber in einer Gesellschaft, die das Spektakel liebt und die Schönen und Reichen bewundert, tauchen die leider viel seltener in den Schlagzeilen auf als Bernie Ecclestone.

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