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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Krieg in Nahost

Bielefeld (ots) - Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen: Diese aus Fernost stammende Lebensmaxime der drei Affen scheint für viele der einzige Ausweg aus der dramatischen Lage in Nahost. Wen soll man wegen seiner schweren Menschenrechtsverletzungen in Gaza anklagen? »Die« Juden? »Die« Palästinenser? Natürlich nicht. Es sind nicht »die« Juden« und nicht einmal »die« Israelis, die seit Jahrzehnten jedes normale Leben in Palästina und im Gaza-Streifen unmöglich machen. Es sind Regierungen in Tel Aviv, die in den sogenannten Friedensjahren jeden Handel und jeden Versuch des wirtschaftlichen Aufbaus unterbinden. Sie missachten palästinensisches Recht und töten Menschen gezielt ohne Gerichtsurteil. Auch jetzt ist es die Regierung Benjamin Netanjahus, die den Befehl zum Einmarsch im Gaza-Streifen gab. Sie ist mit denen, die sie stützen, für die Bomben auf UN-Schulen, die Verwüstungen in Wohnsiedlungen und den Tod Hunderter verantwortlich. Begründet wird die Gewalt mit den Raketen, die auf Israel niedergehen. Davor und den immer wiederkehrenden Terroranschlägen haben viele Israelis Angst. Das ist verständlich. Ebenso verständlich ist aber die Verzweiflung der meisten Menschen in Gaza. Und dennoch sind es nicht »die« Palästinenser, die ebenfalls zum Mittel der Gewalt greifen. Es sind Mitglieder der Hamas und Hisbollah, die Israel das Existenzrecht abstreiten und vor Ort und im Ausland jeden Versuch, Frieden zu stiften, torpedieren. Die Lage scheint ausweglos. Sie ist es aber nicht. Angesichts des geringen chinesischen und - von Teilen Syriens abgesehen - russischen Einflusses sind es der Westen und die arabischen Staaten, die in der Region genug Macht besitzen, um einen Friedensprozess in Gang zu setzen. Sofort stellt sich die Frage: Machen »die« Araber da überhaupt mit? Sie werden es, wenn sie - auch durch wirtschaftlichen Druck - unter Zugzwang gesetzt werden. Doch vorher muss sich der Westen entscheiden. Ein hier lebender Libanese meinte allen Ernstes: »Die Deutschen ermordeten Millionen Juden und überzogen die Welt mit Krieg. Doch die Folgen tragen wir. Warum haben die Alliierten 1945 nicht einfach Bayern von Deutschland abgetrennt und Israel hier geschaffen?« Absurd? Es erinnert daran, dass Deutschland eine historische Verantwortung für das Schicksal der Juden und der Palästinenser hat. Es ist wichtig, dass wir verhindern, dass bei uns ein neuer Antisemitismus entsteht - ob rechts, links oder unter Einwanderern. Kritik an Israel? Ja. Kritik an Hamas? Ja. Aber keine Hetze und erst recht keine Gewalt gegen »die« Juden oder »die« Araber. Doch auch das genügt nicht. Deutschland muss sich vor Ort einmischen. In Nahost leben etwa 8,5 Millionen Palästinenser. Doch die Zahl derer, die weltweit mit ihnen fühlen und ihr Leid als ungerecht empfinden, geht in die Milliarden. Ohne einen Frieden in Nahost sind unsere Sicherheit und der Weltfrieden zerbrechlich. Andere mögen wegsehen und weghören. Deutschland nicht!

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