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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Tebartz-van Elst

Bielefeld (ots) - Sorgfältig geprüft und souverän entschieden: Der Umgang der katholischen Kirche mit den Vorwürfen gegen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ist mustergültig. Und die gestern verkündete Entscheidung von Papst Franziskus, den Bischof nicht in sein Bistum Limburg zurückkehren zu lassen, bleibt die einzig richtige. Auch wenn übereifrige Kirchenkritiker es nicht gern hören werden: Viel wäre schon gewonnen, wenn wir in unserer Empörungs- und Aufregungsgesellschaft öfter solch Rückgrat und solch Augenmaß zugleich bewahren würden, wie es der Vatikan und die Deutsche Bischofskonferenz in diesem Fall in den vergangenen Monaten getan haben. Weder vorverurteilen noch vertuschen - das war der schmale Grat, auf dem der Paderborner Weihbischof Manfred Grothe und die Experten der Prüfkommission zu balancieren hatten. Heute kann man sagen: Die heikle Mission ist gelungen. Dabei lässt es der Prüfbericht an Klarheit nicht mangeln: Es sind gravierende Fehler passiert. Und Tebartz-van Elst wusste Bescheid. Das ist die ernüchternde Botschaft für all jene, die den Limburger Bischof als bloßes Opfer einer Hetzjagd sahen. Auf Weihbischof Grothe wartet nun ein zweiter, nicht leichterer Auftrag. Mit all seiner Erfahrung tritt der 74-Jährige als Apostolischer Administrator in Limburg ein schweres Erbe an. Es ist eine wahre Herkulesaufgabe, in Limburg einen neuen Dialog zwischen Kirche und Gläubigen zu initiieren. Doch genau daran muss allen Katholiken gelegen sein. Denn nur wenn dieser Prozess erfolgreich in Gang gebracht wird, kann das Bistum auch in der kirchenfernen Öffentlichkeit wieder an Ansehen gewinnen. Grothe selbst hat gestern ausdrücklich betont, sein Wirken sei zeitlich begrenzt. Im Alltag des Limburger Bistums wird schon allein deshalb Generalvikar Wolfgang Rösch eine wichtige Rolle zukommen. Auch weil Grothe sein Stammbistum Paderborn nicht verlässt, das einmal mehr seinen Ruf als Kaderschmiede des deutschen Katholizismus untermauert. Was kaum verwundert, wenn man um das vertrauensvolle Verhältnis zwischen Grothe und Reinhard Marx weiß. Nicht nur für den jüngst erst gewählten Vorsitzenden der Bischofskonferenz, sondern für die gesamte katholische Kirche hängt viel vom weiteren Geschehen in Limburg ab. Die Zukunft des Bistums steht stellvertretend für die Fähigkeit der Amtskirche zur Selbstreinigung. Die Chance zum Neuanfang ist seit gestern da, mehr aber noch nicht. Und den Versprechen von einer neuen Offenheit und mehr Transparenz werden Taten folgen müssen. Nicht zuletzt auch mit Blick auf die Vermögenssituation der Bistümer und der Bischöflichen Stühle. Denn wie hat Papst Franziskus seiner Kirche so treffend ins Stammbuch geschrieben: »Wir haben unser Vermögen nur von den Armen geliehen.«

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