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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Leipziger Buchmesse

Bielefeld (ots) - Was geht? Kochbücher gehen. Historische Kochbücher auch. Krimis. Historische Krimis. Fantasy. Historische Fantasy, nein, aber Frank Schätzing, der geht immer. Klar, die Leipziger Buchmesse, dieses verspielte Lesefest, das von morgen an vier Tage lang eine ganze Stadt und ihre Gäste verzaubert, kann Lektüremuffel nicht begeistern - alle anderen hingegen sehr wohl. Natürlich vertragen auch Bücher ein bisschen Werbung. Die Leipziger Aktion »Vorsicht Buch!« geht jetzt ins zweite Jahr und hat laut Heinrich Riethmüller, dem Chef des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, schöne Erfolge erzielt. Genauer: ein leichtes Umsatzplus im stationären Buchhandel, was einer Branche, die jahrelang Grund zur Klage hatte, sehr viel Freude bereitet. Solche optimistischen Nachrichten gehen leider oft unter. In jüngerer Zeit beherrschten in der Welt der Bücher Negativschlagzeilen das Bild. Stichwort: Insolvenz des Weltbild-Verlags. Die zeigt aber keine Krise des Verlagswesens an, sondern da büßt jetzt schlicht ein Einzelunternehmen für kaufmännische Fehler. Ohnehin hat sich der Bürger ja gefragt, was die katholische Kirche wohl mit einem Buchprogramm anfangen wollte, das (erinnert sei an den Pornographievorwurf) dezidiert antikirchliche Positionen vertrat. Jahrelang hat auch das leidige Online-Thema die Atmosphäre vergiftet. Gut - jene Zeitgenossen, die bei Amazon ordern, werden weiter mithelfen, die wirtschaftliche Infrastruktur ihres Heimatorts kaputt zu machen. Andererseits haben kürzlich Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Frankreichs Kulturministerin Aurélie Filippetti verabredet, Amazon & Co. in die Schranken zu weisen. Der Online-Vertrieb von Büchern solle »nicht von außereuropäischen Akteuren dominiert« werden. Und das man die Körperschaftssteuer von Amazon & Co. zu erhöhen gedenkt, ist eine Jubelarie wert: Endlich hat die Politik erkannt, dass Buchhändler, was die Sicherung kultureller Vielfalt angeht, zu den Schlüsselakteuren gehören. Der Internet-Buchhandel war 2013 übrigens rückläufig. Schön. Und das lange mit schreckgeweiteten Augen betrachtete Geschäft mit den E-Books, das bei gut drei Prozent vor sich hindümpelt, wächst zwar, aber viel langsamer als befürchtet: auf gut zehn Prozent vielleicht - und das vermutlich über einen langen Zeitraum hinweg. Damit kann die Branche leben. Die ökonomischen Probleme hat man offenbar ganz gut im Griff. Bleiben die literarischen. Heute wird zwischen Buchdeckel gepresst, was das Zeug hält. Wer eine Tastatur sein Eigen nennt, schreibt ein Buch. Gerne modisch im Präsens, was eine Relevanz vortäuscht, die die mühsam in Heimarbeit geklöppelte Geschichte meistens gar nicht hat. Aber der deutsche Buchhandel kann, wie die Vergangenheit gezeigt hat, auch den Grabbeltisch verkraften.

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