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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Koreakonflikt

Bielefeld (ots) - Der Koreakonflikt schwärt weiter. Daran kann auch das gestern gestartete Großmanöver von Südkorea und den USA nichts ändern. Im Gegenteil: Nordkoreas Militär droht abermals mit einem »heiligen Krieg der Vergeltung«. Die USA demonstrieren zwar militärische Stärke, eine Lösung aber kann es nur auf diplomatischem Wege geben. Die amerikanisch-chinesische Beziehung spielt dabei eine Schlüsselrolle. Sollten sich Peking und Washington verständigen, könnte die Krise überwunden werden. Sonst wäre großer Schaden unvermeidbar. Die Obama-Regierung erkennt die politische und wirtschaftliche Bedeutung Chinas. »Die Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und China wird vielleicht zur wichtigsten bilateralen Beziehung der Welt im 21. Jahrhundert«, sagt US-Präsident Barack Obama. Diese Verantwortung müsse man gemeinsam tragen. US-Außenministerin Hillary Clinton hat China kurz nach Amtsantritt besucht; unlängst lobte sie Pekings Kompromissbereitschaft in der Koreakrise: Es habe zwar ernste Konflikte zwischen China und Amerika gegeben, jetzt sei Peking jedoch dialogbereit. Chinas Position wird von den asiatischen Nachbarn kritisch beobachtet: Japan, Indien, Taiwan, Südkorea, Indonesien, Malaysia, Thailand, die Philippinen und selbst Vietnam misstrauen der chinesischen Militärmacht und bilden eine anti-chinesische strategische Koalition. Das führt zu einer spannenden Parallelentwicklung: Während die asiatischen Staaten den Handel mit China vergrößern, festigen sie die strategische Bindung an die USA. Besonders Japan zeigt sich misstrauisch: So hat es jüngst die Stationierung von US-Truppen auf Okinawa spontan genehmigt. China strebt nach einer asiatischen Hegemonie, die auch militärisch fundiert sein soll. Doch so lange große Demokratien wie Japan, Indien und Indonesien der chinesischen Parteidiktatur misstrauen, bleibt die Weltmacht USA in Asien willkommen - nicht als »Besatzer« oder Vormacht sondern als militärischer Partner und Garant für Sicherheit und Stabilität. Im Koreakonflikt liegt der Ball somit im chinesischen Spielfeld. Sollte Peking die Steinzeitdiktatur in Pjöngjang disziplinieren, könnte es Sympathiepunkte sammeln und Vertrauen schaffen. In Asien mag niemand ein autoritäres Regime, das Atomwaffen baut, Kriegsschiffe versenkt, seine Bevölkerung hungern lässt und die Menschenrechte missachtet. Langfristig ist Asien ohne eine US-Vorherrschaft denkbar. Chinas wirtschaftlicher, politischer und militärischer Einfluss wächst unaufhaltsam. Die Amerikaner werden Asien aber erst verlassen, wenn China demokratischer, rechtsstaatlicher und vertrauensvoller geworden ist. Dann kann Asien auf den amerikanischen Schutz verzichten. In der Koreakrise könnte sich Peking als verlässliche und maßvolle zukünftige Vormacht empfehlen. Es muss nur Nordkorea konsequent in die Schranken weisen.

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