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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Start der Fußball-WM in Südafrika

Bielefeld (ots) - Wenn Nelson Mandela heute mit weisem Blick und bescheidenem Stolz die Eröffnung der Fußball-Weltmeisterschaft verfolgt, ist sein Land am Ziel. Die Republik Südafrika (RSA) ist 16 Jahre nach dem Ende der Rassentrennung emanzipiert. Ein ganzer Kontinent hat damit sein Rezept für einen friedlichen, afrikanischen Weg zu mehr Gerechtigkeit gefunden. RSA ist längst ein wenig wie USA: demokratisch, technologisch, finanziell erfolgreich, aber sozialpolitisch stark gespreizt, politisch gar mitunter zerrissen. Das Land ist nicht gerecht, aber eigenständig afrikanisch, selbstbewusst und trotz schmerzhafter Historie und elf Landessprachen auf dem Weg zu einem nationalen, aber nicht überdrehten Selbstverständnis. Keine Frage: Die Sicherheit muss in den kommenden vier Wochen stimmen, das tückische Winterwetter gerade in Kapstadt mitspielen, und Terroristen sowie sonstige Spielverderber dürfen keine Chance haben. Aber das gilt für jedes weltweit beachtete Megaereignis. Das Land ist besser als sein Ruf. Südafrika hat die große Chance, sich zu präsentieren. Dabei muss sich die Regenbogennation nicht verstellen, kann sich sehen lassen, wie sie ist. Vorurteile und Nichtwissen gründen wie stets beim Betrachter, aber nicht bei dem, der sich mit allen seinen Stärken und Schwächen zeigt. Auch das ist wahr: Der einst stramm kommunistische Afrikanische Nationalkongress neigt heute zur Dekadenz, Mandelas Nachfolger sind keine Saubermänner, und die neuen schwarzen Eliten praktizieren eine eigene Form von Apartheid. Aber darüber hinausgehend gibt es ein umfassenderes Bild dieses wunderbaren Landes. Zahllose Medienberichte in und besonders außerhalb der Sportprogramme haben in jüngster Zeit einem Weltpublikum gezeigt, dass es am Kap nicht kolonial, nicht chaotisch und nicht ähnlich katastrophal zugeht wie in anderen Regimen schwarzer Chiefs. Stattdessen wird kolossal geklotzt. Die WM brachte eine Sonderkonjunktur zur rechten Zeit, gerade als die über Jahre zweistelligen Wachstumsraten in den Sog der Wirtschaftskrise gerieten. Die von der WM ausgelösten Milliarden-Investitionen in Stadien, Infrastruktur und Tourismus starten nicht am Nullpunkt, sondern bauen auf Vorhandenem auf. Durban beispielsweise, wo Deutschland am Sonntag zum ersten Kick antritt, hatte schon vor zehn Jahren die größte Shoppingmall der südlichen Hemisphäre. Die Stadt am indischen Ozean verfügt über den wichtigsten Hafen ganz Afrikas und blickt direkt auf die meist frequentierte Seehandelsroute, auf der riesige Containerschiffe wie eine endlose Perlenkette Europa und Asien verbinden. Im globale Welt- und Wertebewusstsein kann sich das Land am anderen Ende Afrikas jetzt einen vorderen Platz dauerhaft sichern. Südafrika hat sich sein eigenes Fußballmärchen verdient.

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