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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Missbrauchs-Hotline

    Bielefeld (ots) - Die katholische Kirche steht unter Zugzwang. Sie muss zeigen, dass sie sich der Missbrauchsfälle wirklich annimmt, dass sie ihnen nachgeht und bei ihrer Aufklärung mithilft. Die Hotline soll ein Schritt in diese Richtung sein. Er ist gut, aber deutlich zu klein ausgefallen. Allein die Beratungszeiten sind diskussionswürdig: Wenn man einmal überschlägt, wie viele Kinder es allein in der Odenwaldschule sein könnten, die in den 1970ern und 80ern missbraucht wurden, dann reichen drei Beratungstage mit jeweils siebeneinhalb Beratungsstunden beim besten Willen nicht aus. Nur acht am Telefon eingesetzte Psychologen und Sozialarbeiter sowie fünf Fachkräfte, die Fragen im Internet beantworten, sprechen ebenfalls nicht gerade für die Durchschlagskraft des Angebots. Zumal: Warum sollten Menschen ausgerechnet bei der Institution Hilfe suchen, die sie nicht geschützt hat? Sollte die Kirche ernsthaft an Aufklärung interessiert sein, wovon auszugehen ist, warum vernetzt sie sich dann nicht mit Anlaufstellen, die Erfahrung mit Missbrauchsopfern haben? Das würde mehr Beratungszeit bringen und Misstrauen abbauen.

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