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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT zur Leichtathletik-Weltmeisterschaft:

    Bielefeld (ots) - Die Leichtathletik kämpft gegen Doping, um Anerkennung, Unterstützung und Einschaltquoten. So hat es am Freitag der Sportdirektor des deutschen Verbandes, Jürgen Mallow, zusammengefasst. Wie schwer das ist, hat sich auch bei den Weltmeisterschaften in Berlin gezeigt. Nie war das Olympiastadion ausverkauft. 1986 bei den Deutschen Meisterschaften kamen mehr Zuschauer. Doch die Leichtathletik, die zentrale Sportart Olympias, muss im Ringen um Anerkennung aufpassen, dass sie nicht ihre Seele verkauft. Um tauglicher für das TV zu werden, wurde die Fehlstartregel erneut überarbeitet. Der erste Schritt hat aber nichts gebracht. Jetzt wird gefordert, bereits nach drei Läufen müsse der 100-Meter-Weltmeister gekürt werden. Weg mit den Vorläufen. Dass dies den Kampf gegen Doping konterkariert, ist offensichtlich. Leichtathletik war noch nie leicht. Nicht für den Athleten, nicht für den Zuschauer. Mag sein, dass zwölf Vorläufe am Vormittag nur bedingt spannend sind, aber auch die Fehlpassfestivals in den Fußball-Ligen dieser Welt haben nicht zu einer Reduzierung des Interesses geführt. Der Deutsche Leichtathletikverband hat sich gegen hektisches Handeln entschieden. Nach der Peking-Pleite vertraute man auf den Stützpfeiler, der national schon immer für Erfolge gesorgt hat - die Kombination Athlet/Heimtrainer. So goldig wie in den glorreichen Jahren werden die Zeiten aber nie mehr werden. Und das ist nicht die Schuld der heimischen Starter. Bei Distanzen über 800 Meter dominieren die Afrikaner, darunter teilen die Karibik (vor allem Jamaika) und die USA die Treppchenplätze unter sich auf. Europa ist ein Auslaufmodell (technische Disziplinen einmal ausgenommen). Vielleicht auch, weil die sozialen Voraussetzungen andere sind. Beispiel Jamaika. In diesem armen Land gibt es die medaillenträchtige Mischung aus sozialer Aufstiegschance, gutem Sichtungssystem, gnadenloser Auslese, vielen Talenten und, ja, wahrscheinlich auch Doping. Aber vor allem hat man erkannt, dass es ohne viel Geld und Ausbildung nicht geht. Wanderten früher die Stars in die Staaten ab, bleiben sie nun ihrer Heimat treu. Wie Usain Bolt. In Deutschland ging man nach Peking einen anderen Weg. Dort wurde die finanzielle Unterstützung durch offizielle Stellen reduziert. Dass die DLV-Starter dennoch stärker als in China sind, beweist aber nicht, dass dieser Weg der richtige ist. In Berlin gab es eine Flut von Saison- und persönlichen Bestzeiten, Weltjahresbestleistungen, und fantastische Weltrekorde wurden aufgestellt. Die Stimmung war trotz zahlreicher leerer Plätze gigantisch. Superstars spielten ihre Entertainer-Rolle, nationale Helden traten mit (Freuden-)Tränen ab. Die zentralen menschlichen Bewegungen Laufen, Springen und Werfen boten beste Unterhaltung. Mehr geht nicht. Leichtathletik war noch nie leicht. So sollte es auch bleiben. Oder wie es Hochspringerin Ariane Friedrich ausgedrückt hat: Ich bin wie ich bin. Und das ist gut so.

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