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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Mehdorn

Bielefeld (ots)

Wäre Hartmut Mehdorn ein Intercity, so könnte
man sagen, der Zug war nicht nur zu schnell unterwegs, sondern fuhr 
auch auf einem Gleis, auf dem er nicht hätte fahren dürfen. Jetzt 
droht der »Zug Mehdorn« sogar endgültig zu entgleisen. Ob der 
Intercity jemals wieder in die Spur zurückkommt und normal 
weiterfahren kann, darf bezweifelt werden. Vieles deutet darauf hin, 
dass der Zug für Hartmut Mehdorn bereits abgefahren ist.
Der 66-Jährige ist nach all den Pleiten, Pech und Pannen der 
vergangenen Wochen nicht mehr zu retten. Nicht nur die Bespitzelung 
von mindestens 173 000 seiner Mitarbeiter und sein schlechtes 
Krisenmanagement haben dazu geführt, dass Mehdorn in absehbarer Zeit 
seinen Hut nehmen muss. Brüchige ICE-Achsen, die umstrittene Berufung
des Gewerkschafts-Chefs Norbert Hansen zum Personalvorstand, das Hin 
und Her bei der Schaltergebühr, die Bonus-Affäre - Mehdorns Bilanz 
könnte besser sein.
Die Bespitzelung hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Mehdorn ließ 
fast alle Beschäftigten überprüfen und stellte jeden Einzelnen somit 
unter Generalverdacht. Dabei spielt es keine Rolle, dass Mehdorn 
angeblich die Korruption bekämpfen wollte. Der Bahnchef hat das 
Vertrauen seiner Mitarbeiter massiv missbraucht und muss dafür die 
Verantwortung übernehmen. Sein Brief an die Mitarbeiter, in dem er 
von einer »falsch verstandenen Gründlichkeit« schrieb, hat seine 
Situation nicht verbessert, sondern verschlechtert, weil die 
Entschuldigung viel zu halbherzig ist.
Nun fordern viele seinen Kopf. Trotz der massiven Kritik hat Mehdorn 
aber auch seine Verdienste. Er ist ein unbequemer Manager, hat der 
Politik nicht nach dem Mund geredet. Er hat seinen Auftrag sehr ernst
genommen, die Bahn AG nach wirtschaftlichen und unternehmerischen 
Gesichtspunkten zu führen - vielleicht zu ernst.
Verdienste hin, Aufklärung her: In der Politik hat das Säbelrasseln 
längst begonnen. Es geht nicht mehr nur um den Datenskandal, sondern 
um viel mehr. Die Parteien taktieren und wollen im Superwahljahr 
selbst Kapital aus dem Fall Mehdorn schlagen. Die CDU spielt auf 
Zeit, will Mehdorn möglichst noch retten, um ihn dann nach gewonnener
Bundestagswahl gegen einen ihr nahestehenden neuen Manager 
auszutauschen. Für die SPD ist Mehdorn ein noch größerer Klotz am 
Bein. Er gilt als jemand, der den Sozialdemokraten nahe steht. 
Immerhin hatte ihn 1999 Kanzler Gerhard Schröder ins Amt geholt.
Interessant übrigens, wie sich die Bahngewerkschaft, die ja die 
Interessen der Mitarbeiter vertreten sollte, verhält. Da wird fast 
die gesamte Belegschaft bespitzelt - und Gewerkschaftschef Hommel 
fordert nicht den Rücktritt, sondern nur eine Entschuldigung.
Der Bahnchef selbst hat für Anfang nächster Woche Aufklärung 
versprochen. Sein Rücktritt oder Rausschmiss ist damit nur 
aufgeschoben, nicht aber aufgehoben.

Pressekontakt:

Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261

Original-Content von: Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell

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