Westfalen-Blatt

Westfalen-Blatt: Das Westfalen-Blatt (Bielfeld) schreibt zum Ölpreis:

    Bielefeld (ots) - Lumpige zehn Dollar - soviel kostete das Fass Rohöl noch vor zehn Jahren. Inzwischen hat sich der Preis um sage und schreibe 1400 Prozent auf mehr als 140 Dollar pro Barrel (159 Liter) erhöht. Noch im August 2007 kostet das Barrel 70 Dollar. Der rasante Preisanstieg von 40 Prozent allein in den vergangenen drei Monaten schockt die Welt - und wird sie nachhaltig verändern. Während sich Erdöl-Lieferländer einerseits und die Ölkonzerne andererseits dank zusätzlicher Milliardeneinnahmen die Hände reiben, kocht die Verzweiflung und Wut vieler Bürger hoch. Sogar Tote hat es schon gegeben. Bei Protesten gegen hohe Dieselpreise in Spanien und Portugal starben zwei Menschen. Das teure Erdöl bremst die Wirtschaft und verteuert für Verbraucher die meisten Produkte. Die Logistik- und Transportbranche warnt vor dem Verlust zehntausender Jobs. Tanken wird zum Luxus, und bei der nächsten Heizkostenabrechnung nach dem Winter dürfte es für viele Bürger ein böses Erwachen geben. Ein Liter Heizöl kostet 50 Prozent mehr als vor einem Jahr. Der Preisanstieg für Gas wird durch die Ölpreisbindung zeitverzögert folgen. Das wird bitter. Experten und Politiker streiten unterdessen über die Schuldfrage. Wer treibt den Ölpreis in diese schwindelerregenden Höhen? Die einen schieben den Spekulanten an den Rohstoffbörsen den schwarzen Peter zu. Andere verweisen darauf, dass Öl nun einmal eine Ressource ist, die nicht ewig verfügbar bleibt. Nach Berechnungen des Konzerns BP reichen die Reserven noch 36 Jahre, Shell und die Internationale Energieagentur IEA gehen von 46 Jahren aus. Zweifellos tragen die Spekulanten mit ihren Wetten auf steigende Rohstoffpreise einen Teil zur Verteuerung bei. Wie hoch dieser ist, kann aber niemand sagen. Der amerikanische Kongress erwägt sogar bereits Gesetzesinitiativen, um den Handel mit Terminkontrakten einzuschränken. Tatsache aber ist, dass die simple Regel von Angebot und Nachfrage den Rohölpreis treibt. Vor allem in China und Indien steigt die Nachfrage nach dem Schwarzen Gold. Die Ölförderländer produzieren bereits am Limit. Neue Ölquellen zu erschließen, ist teuer und zeitaufwändig. Nach einer Studie der Energy Watch Group (EWG) ist die maximale Erdölförderung bereits überschritten. »Bis zum Jahr 2030 könnte die weltweite Ölförderung auf die Hälfte zurückgehen«, sagt EWG-Experte Werner Zittel. Vor diesem Hintergrund sind die steigenden Preise nachvollziehbar. Und es ist nicht einmal ausgeschlossen, dass Öl Jahr für Jahr klar teurer wird. Politiker, Forscher, Ökonomen und Unternehmer müssen sich jetzt auf die Zeit nach dem Öl vorbereiten. Eine der wichtigsten Aufgaben der kommenden Jahre wird es sein, Alternativen aufzuzeigen. Alternative Energiequellen wie Sonne, Wind und Biomasse müssen dazu dienen, die Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren. Je eher desto besser. Vielleicht kehrt sich dann der Fluch vom teuren Öl in einen Segen um.

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