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Newsroom.de: Insolvenz des Westfälischen Zeitungsverlages Kommentar von Frank Bünte

Dortmund (ots) - Die Insolvenz des Westfälischen Zeitungsverlages war zu erwarten, nachdem ein erfahrener Insolvenzverwalter kürzlich zum Geschäftsführer des Westfälischen Zeitungsverlags bestellt worden war.

Es handelt sich um den vorletzten Akt in einem Drama, dessen Höhepunkt die interessierte Öffentlichkeit bereits im vergangen Jahr durch die Aufgabe eigenständiger Lokalausgaben und eine große Entlassungswelle erleben durfte.

Um einen letzten Rest von Wettbewerb der Zeitungen im östlichen Ruhrgebiet zu sichern, hatte das Bundeskartellamt den Antrag der Funke Mediengruppe auf eine Sanierungsfusion zwischen "Westfälische Rundschau" und "Westdeutsche Allgemeinen Zeitung" einerseits und den "Ruhr Nachrichten" andererseits abgelehnt.

Mit dem Insolvenzantrag für die sieben Ausgaben von "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" und "Westfälische Rundschau" in Dortmund, Schwerte, Lünen und Castrop-Rauxel strebt die Funke Mediengruppe nun dieses Ziel, nämlich den Verkauf der "Rundschau"- und "WAZ"-Leser an die "Ruhr Nachrichten", über einen Umweg an.

Im Rahmen einer Insolvenz in Eigenverantwortung behält das Unternehmen die Zügel über alle Geschäftsvorgänge in der Hand. Es muss vor Gericht lediglich nachgewiesen werden, dass der Westfälische Zeitungsverlag über ausreichend Potential verfügt, um nach gelungener Sanierung den Geschäftsbetrieb fortzuführen.

In diesem speziellen Fall sind Gläubiger nicht zu befriedigen, die reformierte Insolvenzordnung sieht vor, dass weder eine Überschuldung noch Zahlungsunfähigkeit vorliegen müssen, um ein Insolvenzverfahren zu beantragen. Es genügt, wenn eine "drohende Zahlungsunfähigkeit" nachgewiesen wird.

Es kann indes kein Zweifel daran bestehen, dass der Westfälische Zeitungsverlag defizitär arbeitet.

Der Insolvenzantrag in Eigenverwaltung hat deshalb zum Ziel, die wirtschaftlich notleidenden Lokalausgaben zu verkaufen. Im Rahmen der "Masseverwertung" bilden die Abonnenten und Leser von "WR" und "WAZ" den mit Abstand "verwertungsträchtigsten" Vermögenswert.

Weil bei einer Angliederung dieser Ausgaben an die "Ruhr Nachrichten" die Synergieeffekte am höchsten sind und sich andererseits bisher kein weiterer Interessent/Zeitungsverlag zur Übernahme der in Frage stehenden Ausgaben gemeldet hat, wird der Deal wohl wie gewünscht über die Rampe gehen - zum beiderseitigen Vorteil der Verlage.

Die "Ruhr Nachrichten" können dank gewachsener Auflage ihre Anzeigen- und Vertriebserlöse steigern und am Markt quasi eine Monopolstellung erlangen, die Funke-Gruppe stopft eine Defizit-Quelle.

Weder das Kartellamt noch ein Insolvenzgericht werden dieses rationale und sozusagen "naturwüchsige" Marktgeschehen stoppen können.

Erst später wird sich die Frage stellen, ob die "verkauften" bzw. in die Insolvenz geschickten Leser der "WR" und "WAZ" künftig unter dem Dach der "Ruhr Nachrichten" noch wenigstens mit einem eigenen Mantelteil aus der Feder der "WAZ"-Zentralredaktion beliefert werden, nachdem die Lokalteile schon aus dem Hause Lensing kommen.

Für diese Dienstleistung aus Essen müsste Lensing dann allerdings bezahlen.

Vertriebspolitische Vernunft legt nahe, dass Titel, Erscheinungsbild und publizistische Angebote im Mantelteil zumindest noch für eine Übergangszeit eigenständig bzw. mit einer optischen Anmutung von "WR" und "WAZ" erhalten bleiben.

Für den Zeitungsverlag der "Ruhr Nachrichten" wird es am Ende nur noch darum gehen, wie diese "Warenunterschiebung" dekorativ kaschiert werden kann.

Frank Bünte

Zur Person: Frank Bünte war Chefredakteur der "Westfälischen Rundschau" von 1988 bis 2004.

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