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Kommentar zu den Verhandlungen zum Flächentarifvertrag bei Tageszeitungen: Bestandsschutz für langjährige Redakteure, aber weniger Urlaubstage und Weihnachtsgeld für neue Redakteure

Berlin (ots) - Kein Zeitungsverlag kann sich neben den tiefgreifenden Veränderungen in der Branche einen weiteren Schauplatz erlauben, in dem er selbst noch Kraft investieren soll. Eine Abkehr vom Flächentarifvertrag würde für die Häuser unfassbar mehr Arbeit bedeuten. Ohne Abstriche für die Journalisten wird es aber keine Einigung geben.

Die vergangenen Jahrzehnte hat der Flächentarifvertrag stets dafür gesorgt, dass Zeitungsverleger ihre Kraft in die Entwicklung des Unternehmens investieren konnten. Sie mussten keine langfristigen Verhandlungen mit ihrem eigenen Betriebsrat, mit ihrer eigenen Belegschaft um Löhne führen.

Und der Flächentarifvertrag galt für ganz Deutschland, ohne Ausnahme. Standards, die so niedrig waren, dass sie auch überall erfüllt werden konnten.

Aus anderen Branchen ist hinlänglich bekannt, zu oft führen betriebsinterne Vereinbarungen, Haustarife, die es auch in der Tageszeitungsbranche immer öfter gibt, zu einem vergifteten Arbeitsklima.

Das ist kein Arbeitsumfeld, in dem kreativ der Wandel gemeistert werden kann.

Verleger müssen Verantwortung übernehmen

Einen Fehler begehen Zeitungsverleger, die außer Drohgebärden keine Antwort auf die Frage liefern, ob sie sich den Druck der Vertragsverhandlung wirklich ins eigene Haus holen möchten.

Die Zeitungsverleger von heute haben ihre Entscheidung delegiert an erfahrene Branchenkenner mit viel Wissen, aber ohne Hausmacht.

Wie wollen sie Verhandlungen um einen Haustarif führen, wenn sie schon keine Zeit haben, selbst am Tisch für den Flächentarifvertrag Platz zu nehmen?

Tiefgreifender Veränderungsprozess

Schon lange ist bekannt, dass die Zeitungsbranche sich in einem tiefgreifenden Veränderungsprozess befindet.

Ausgerechnet die Mitarbeiter, die seit Jahrzehnten das eigene Blatt prägen, zu demotivieren, sie schlechter stellen zu wollen, ist weder ein guter noch ein kluger Zug.

Kein Unternehmen funktioniert, in dem Mitarbeitern vermittelt wird, dass sie Ballast sind, ein Kostenfaktor wie Kugelschreiber oder Druckerpapier.

Dass die Zeiten, in denen Gewerkschafter mit Druck Forderungen umsetzen konnten, die in den eigenen Reihen für Applaus und bei den Arbeitgebern für mehr als Schluckbeschwerden führten, vorbei sind, wissen aber selbst eingefleischte Betriebsräte.

Ohne Tabu verhandeln

Wenn sich an diesem Samstag beide Seiten in Hamburg an einen Tisch setzen, muss ernsthaft und ohne Tabu verhandelt werden.

Auf weniger Urlaubstage und ein geringeres Weihnachtsgeld werden sich Neueinsteiger in der Zeitungsbranche einstellen müssen, 30 Tage Urlaub für den Nachwuchs, eine Absenkung bei Urlaubs- und Weihnachtsgeld von 25 Prozent sind mehr als bittere Pillen, an denen aber wohl kein Weg vorbeiführt.

Zudem muss es eine Veränderung bei der Presseversorgung geben, wie es die Gewerkschaften bereits mit dem Verband Deutscher Zeitschriftenverleger vereinbart haben, die alleine bei den Verlagen auf der steuerlichen Seite um eine Einsparung von zwei Prozent führt.

Für die 14.000 Tageszeitungsredakteure kann es aktuell auch nicht um mehr Geld gehen, auf die Anhebung in Höhe der Inflationsrate müssen sich die Arbeitgeber aber einlassen.

Bestandsschutz

Für die jetzt schon aktiven Zeitungsredakteure muss beim Flächentarifvertrag ein Bestandsschutz gelten, dafür müssen sie aber auf eine spürbare Einkommensverbesserung verzichten.

Es liegt an den Zeitungsverlegern, ob sie den Wandel in der Branche im Team mit ihrer Belegschaft schaffen möchten. Ob sie es ernst meinen, wenn sie davon sprechen, wie sehr sie die eigenen Mitarbeiter schätzen.

DJV und DJU muss klar werden, dass sie eine Verantwortung auch für die Arbeitsplätze ihrer Mitglieder tragen.

Nur gemeinsam hat diese Branche eine Zukunft.

Bülend Ürük, Chefredakteur Newsroom.de

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