Deutscher Bauernverband (DBV)

Die Zukunft der Grünen Gentechnik - Ein- oder Ausstieg? / Sonnleitner: EU, Bund und Länder müssen für Klarheit sorgen

    Berlin (ots) - "Einstieg oder Ausstieg", so heißt das Thema des
Perspektiv-Forums des Deutschen Bauernverbandes (DBV) zur "Zukunft
der Grünen Gentechnik", das heute und morgen in Berlin stattfindet.
Auf deutschen Feldern werden bislang keine gentechnisch veränderten
Pflanzen angebaut. Doch weltweit ist die 'Grüne Gentechnik' Realität.
Heute werden auf der Erde mehr als 50 Millionen Hektar mit
gentechnisch veränderten Pflanzen bebaut. Ihre Produkte gelangen
durch Importe auf den europäischen und deutschen Markt. Enzyme und
Hefen werden in der Lebensmitteltechnologie mit großem Erfolg
eingesetzt. In der deutschen und europäischen Öffentlichkeit wird die
'Grüne Gentechnik', anders als die 'Rote Gentechnik' in der
Humanmedizin, strikt abgelehnt. Mit seinem Perspektiv-Forum führt der
DBV Kritiker wie Befürworter der 'Grünen Gentechnik' zum Dialog
zusammen. Vertreter der Pflanzenzüchtung, der Politik, der
Wissenschaft, der Wirtschaft und der landwirtschaftlichen Praxis
sowie der Umwelt- und Verbraucherverbände beteiligen sich an diesem
Perspektiv-Forum.
    
    "Die Bevölkerung in Deutschland und Europa ist bisher nicht vom
Nutzen der 'Grünen Gentechnik' überzeugt. Jüngste Umfragen zeigen,
dass 70 Prozent der befragten EU-Bürger gentechnisch veränderte
Lebensmittel ablehnen. Fast 95 Prozent verlangen zwischen
gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln und unveränderten Produkten
wählen zu können", skizzierte DBV-Präsident Gerd Sonnleitner das
öffentliche Meinungsbild. Der Bauernverband gehe weder euphorisch,
wie manche Saatgutunternehmen, noch kategorisch ablehnend, wie die
Umweltorganisationen, an die 'Grüne Gentechnik' heran. Die Chancen,
die in dieser Technik steckten, dürften nicht von vornherein durch
eine überzogene Risikodiskussion zugeschüttet werden. "Wir Bauern
müssen die Chancen der Bio- und Gentechnik im Auge behalten, schon
aus Wettbewerbsgründen. Aber für uns ist das Verbrauchervertrauen
genauso wichtig. Wir erzeugen nur das, was Akzeptanz beim Kunden
findet."
    
    Ob es bei einer dauerhaften Ablehnung der Bevölkerung bleibt,
hänge entscheidend auch von der 'Grünen Gentechnik' selbst ab und
ihrer Weiterentwicklung. Es müssten unmittelbar und erkennbare
Vorteile für die Verbraucher und Umwelt durch die gentechnische
Züchtungsarbeit erreicht werden und nicht nur Nutzen für die Land-
und Ernährungswirtschaft, forderte Sonnleitner. Die Möglichkeiten
reichten von vitaminreichen Reis- und Getreidesorten bis hin zur
besseren Ausnutzung der Stickstoffbindung durch Knöllchenbakterien.
    
    Politische Handlungsfelder zur Auflösung der wenig hilfreichen
Stagnation sieht Sonnleitner vor allem in der Gesetzgebung. Die
Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit von gentechnisch veränderten
Lebens- und Futtermitteln müsse auf europäischer und nationaler Ebene
geregelt werden. EU-Kommission und Bundesregierung seien gefordert,
unverzüglich gesetzlich zu klären, ob nur diejenigen Produkte zu
kennzeichnen sind, die gentechnisch veränderte Bestandteile
enthalten, oder ob der gesamte Produktionsprozess offenzulegen ist,
unabhängig davon, ob gentechnisch veränderte Stoffe nachzuweisen sind
oder nicht, betonte Sonnleitner auch vor Journalisten. Letzteres sei
in der Alltagspraxis nicht umsetzbar.
    
    Die europäische Freisetzungs-Richtlinie für gentechnisch
veränderte Pflanzen muss bis zum 17. Oktober national umgesetzt
werden. Sonnleitner äußerte Zweifel, ob dies in dieser
Legislaturperiode noch möglich ist. Auf jeden Fall müssten von der
Bundesregierung entsprechende Vorarbeiten geleistet werden, um dem
neu gewählten Bundestag eine Einhaltung des Termins zu ermöglichen.
Für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzensorten sei eine klare
Regelung durch den Gesetzgeber notwendig, damit es nicht zu
streitigen Diskussionen und Haftungsfragen komme. Auch hier sei die
Haltung des DBV klar", erklärte Sonnleitner. "Wir wollen die
Wahlfreiheit des Landwirts und des Verbrauchers. Das setzt zum
Beispiel Regelungen für den Abstand der Felder voraus, um
Vermischungen vorzubeugen. Während in Amerika faktisch der gesamte
Ölsaatenanbau, aber auch der Mais- und Baumwollanbau in
"gentechnischer Mischkultur" angebaut werde, finde in Europa die
Erzeugung gentechnisch veränderter landwirtschaftliche Produkte
gegenwärtig gar nicht mehr statt, selbst im wissenschaftlichen
Versuch nicht. Die Umsetzung der EU-Systemrichtlinie über eine
Novelle des deutschen Gentechnikgesetzes sei kurzfristig machbar und
unproblematisch. Dies betreffe den Umgang der 'Grünen Gentechnik' bei
Zuchtunternehmen und Gentechnikfirmen.
    
    Der Deutsche Bundestag müsse auch über die Umsetzung der
EU-Biopatentrichtlinie entscheiden. Sonnleitner lehnt Patente auf
Pflanzen und Tiere kategorisch ab. Die europäische Richtlinie sei
deshalb fehlerhaft. Das nationale und europäische Sortenschutzrecht
sichert dank Patentschutz Innovation in der Züchtung und der
Landwirtschaft ohne überflüssige Hürden eines bei lebender Materie
völlig unpassenden Patentschutzes.
    
    
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