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Medizinische Mängel in Pflegeheimen aufgedeckt

Hamburg (ots) - Mehr als 60 Prozent aller Pflegeheime in Deutschland fallen bei den jährlichen Prüfungen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) in den entscheidenden, medizinischen Bereichen negativ auf. Dazu zählen der Umgang mit Wunden, Schmerzpatienten und Inkontinenz genauso wie die Versorgung mit Nahrung und Flüssigkeit sowie die Medikamentengabe und das Befolgen ärztlicher Anordnungen. Das hat eine umfangreiche Auswertung der verfügbaren Daten zu Qualität und Kosten aller deutschen Pflegeheime durch das Recherchezentrum correctiv.org, die Redaktion von "Die Reportage" im NDR Fernsehen und die Tageszeitung "Welt" (Freitagsausgabe) ergeben.

Die Analyse offenbart viele Probleme. Mehr als die Hälfte der Heime versorgen Alte und Kranke den Prüfungen zufolge nicht korrekt mit Medikamenten, mehr als 30 Prozent nicht vorschriftsmäßig mit Nahrung und Flüssigkeit. Die Auswertung ermöglicht erstmals auch einen detaillierten Vergleich zwischen Bundesländern und Landkreisen.

Untermauert wird die Datenanalyse durch verdeckte Dreharbeiten für "Die Reportage: Seniorenresidenz undercover - Recherchen über Pflegeheime" (Freitag, 3. Juni, 21.15 Uhr, NDR Fernsehen). Für den Beitrag ist das Team um die Autoren Gita Datta und Michael Schomers für jeweils eine Woche in zwei verschiedene Heime in Norddeutschland eingezogen. Die Reporter konnten beobachten, dass es auch in offiziell gut bewerteten Heimen entscheidende Mängel gibt. So wurden beispielsweise medizinische Anordnungen nicht ausreichend befolgt.

Ein halbes Dutzend Reporter und Programmierer hat in den vergangenen Monaten die Daten aller deutschen Pflegeheime sowie Informationen zu allen Landkreisen und Städten ausgewertet. Am Donnerstag, 2. Juni, hat Correctiv diese Informationen für jedes einzelne Pflegeheim im Internet unter www.correctiv.org/pflege veröffentlicht.

Die Daten zeigen auch, dass die Prüfergebnisse von Pflegeheimen längst nicht immer mit den Preisen für die Pflege in Einklang zu bringen sind. In einigen Regionen zahlen Bürger für ihre Pflege drei Mal so viel Geld dazu wie in anderen Teilen Deutschlands. Die private Zuzahlung in der Pflegestufe 3 schwankt zwischen 750 Euro in Wilhelmshaven und 2300 Euro im Kreis Siegen-Wittgenstein - pro Monat.

Ein zentraler Bestandteil der Analyse war es, aus den "Pflegenoten", die Qualitätsprüfer der Kassen jährlich vergeben, die medizinisch relevanten Teile herauszulösen. Die Pflegenoten stehen seit Jahren in der Kritik, weil 77 - zum großen Teil wenig aussagekräftige - Komponenten zu einer Gesamtnote zusammengefügt werden. Das führt dazu, dass der bundesweite Durchschnitt trotz teils gravierender Pflegemängel bei einer unrealistischen 1,2 liegt.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Julia Saldenholz, NDR Redaktionsleiterin "Die Reportage", j.salden@ndr.de, Tel. 040 / 4156 4868, Daniel Drepper, Senior Reporter correctiv.org, daniel.drepper@correctiv.org, Tel. 0151 / 407 95 370, oder Anette Dowideit Welt, Ressort Deutschland (Hintergrund), anette.dowideit@weltn24.de, Tel. 0151 / 234 56 030.

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