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Trauminsel Sri Lanka wird für Deutschen zum Alptraum

Hamburg (ots) - Dem Deutschen Michael Kreitmeir kommt das, was ihm zuletzt auf der Urlaubsinsel Sri Lanka passiert ist, vor wie ein Alptraum: "Ich habe nie geglaubt, dass ich jemals in Sri Lanka ins Gefängnis komme. In ein Gefängnis, das sich mit Worten für uns nicht beschreiben lässt", sagt der 53-Jährige im Interview mit dem ARD-Hörfunkstudio Südasien.

Mehr als eine Woche verbrachte Kreitmeir wegen angeblichen Drogenbesitzes hinter Gittern. Festgenommen wurde er am 17. August: Als er sich auf dem Heimweg von einem seiner Hilfsprojekte befand, habe eine Spezialeinheit, bestehend aus 30 Schwerbewaffneten, plötzlich sein Fahrzeug gestoppt, berichtet der Deutsche. Sie hätten ihn mitten in der Nacht angehalten und alles durchsucht: "Dann kam triumphierend einer daher, der sich angezogen hat wie Rambo, wirklich wie Rambo - mit Halstuch, obwohl's total heiß ist, und mit Stirnband. Der hält mir so eine kleine Plastiktüte unter die Nase. Ich hatte überhaupt keine Ahnung, was das sein soll", erzählt Kreitmeir.

Später habe dann einer der Sicherheitsleute erklärt, dass es sich um Heroin handle. Für Kreitmeir, Gründer der Kinder-Hilfsorganisation "Little Smile", ist klar: Jemand versucht, ihm etwas anzuhängen. Wer dahinter steckt, darüber besteht für ihn kein Zweifel: Es sei die Rache eines Provinz-Politikers. Der habe ihn, so Kreitmeirs Darstellung, im März zu erpressen versucht: "Er hat mich sehr unter Druck gesetzt. Ich hab mir dann Bedenkzeit erbeten und ihm beim nächsten Treffen ganz klar gesagt: Das ist nicht möglich. Wir reden von einer Summe von 250.000 Euro im Gegenwert. Daraufhin wurde er sehr sehr ärgerlich und hat gesagt: Du hast zwei Möglichkeiten: Man schlachtet eine Ente oder man lässt sie leben und füttert sie, wenn sie goldene Eier legt", so Kreitmeir.

Ein Polizeisprecher in Sri Lanka bestätigte dem ARD-Hörfunkstudio Südasien, dass Kreitmeir wegen des Verdachts auf Drogenbesitz festgenommen worden sei. Der Fall liege jetzt aber beim Gericht, deshalb können die Behörden dazu derzeit nicht Stellung nehmen.

Der Deutsche, ein ehemaliger Reporter und Moderator des Bayrischen Rundfunks, beteuert: "Ich bin unschuldig." Er gibt aber auch zu, dass es schwierig werden dürfte, die Richter von seiner Version der Geschichte zu überzeugen: "Das ist unmöglich. Das weiß jeder, aber es wird nicht nachweisbar sein. Es geht jetzt einfach darum: Werden die, die wirklich die Macht haben, sagen: Das wollen wir nicht."

Derzeit ist Kreitmeir auf freiem Fuß - auch das sei nur geschehen, weil sich jemand sehr Hochrangiges für ihn stark gemacht habe, sagt er. Trotzdem ist das Schicksal des Deutschen völlig ungewiss: Den Pass haben ihm die Behörden entzogen, Mitte September wird es eine Gerichtsverhandlung geben. Ihm drohen nun mehrere Jahre Gefängnis.

Zitate frei bei Nennung ARD-Hörfunkstudio Südasien.

31. August 2010/RC

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