Allgemeine Zeitung Mainz

Allg. Zeitung Mainz: Wieder Wulff
Kommentar zum Ex-Bundespräsidenten
von Reinhard Breidenbach

Mainz (ots) - Schon wieder Wulff. Nein, die türkische Modekette ist nach allem, was bekannt ist, keine merkwürdige Adresse. Und: Nein, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hat der ehemalige Bundespräsident (CDU) auch nicht illegal gehandelt, als er für das Unternehmen tätig wurde. Auch sollten andere Parteien nicht den moralischen Zeigefinger erheben, denn da gibt es zum Beispiel einen Ex-Kanzler der SPD, der sich nur einen recht knappen Zeitraum Pause verordnete, ehe er in russische Projekte einstieg, mit denen er zuvor in seinem Amt zu tun hatte. Also alles halbwegs in Ordnung bei Wulff? Mitnichten. Denn die bösen alten Bilder kommen wieder hoch. Der Bundespräsident, der als Schnäppchenjäger erschien, der sich auch mal einen Urlaubsaufenthalt zumindest vorfinanzieren ließ. Der komische Dinge auf die Mailbox eines Chefredakteurs sprach. Wohl wahr, Wulff übernahm Verantwortung, trat zurück, wurde von einem Strafgericht astrein freigesprochen. Aber er will offenbar noch immer nicht begreifen: Es gibt Dinge auf der Welt, die nicht illegal sind, die ein ehemaliger oder gar amtierender Bundespräsident aber besser bleiben lässt. Da gilt das, was Mütter ihren Kindern früher, meist mit Erfolg, eintrichterten: "Das macht man nicht!" Das ist keine juristische, aber eine moralische Maxime. Die ist wichtiger als die Frage, ob man die Regeln für den Ehrensold jetzt ändert. Und bei dieser Maxime liegt, Stichwort Würde des Amtes, die Messlatte für Ex-Bundespräsidenten halt auch noch mal höher als für Ex-Kanzler - was für letztere allerdings kein Freibrief, auch nicht für Empörung, ist.

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