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Allg. Zeitung Mainz: Brutale Sünden
Kommentar von Reinhard Breidenbach zu den Regensburger Domspatzen

Mainz (ots) - Gewalt, auch sexueller Art, Ausgeliefertsein, gebrochene Menschen - das klingt nach Folterkellern und Inquisition. Erschütternd. Jedoch sind es Begriffe aus einem Bericht über frühere Zustände bei den Regensburger Domspatzen. Da haben viele brutal gesündigt, kriminell gehandelt, andere sind mitschuldig, weil sie wegschauten. Das alles ändert zwar nichts daran, dass die Institution Kirche in der Gesellschaft im Grundsatz wertvoll ist. Aber: Es muss ein Fanal sein, Täter zu entlarven, Wiedergutmachung bestmöglich zu versuchen und argwöhnisch zu sein, damit selbst die leiseste Wiederholungsgefahr ausgeschlossen ist. Zugleich sind die Vorgänge eine strenge Warnung vor überzogener Autoritätsgläubigkeit, ein Vorwurf auch an Eltern, weil sie ihren Kindern weniger glaubten als fremden Kirchenfürsten. Dass ähnliche Katastrophen auch in Schulen und Familien passierten und noch immer passieren, macht die Sache nicht weniger schlimm, zumal die Kirche aufgrund ihres Selbstverständnisses besonders strenge ethische Maßstäbe an sich anlegen lassen muss. Die Kirche entschloss sich relativ spät, aufzuklären und Schuld zu bekennen, es gab Abwiegler und Verharmloser. Georg Ratzinger, dem Bruder des früheren Papstes, wird Wegschauen angelastet. Das muss, auch wenn es keine "Sippenhaftung" gibt, besonders erschrecken. Und wenn der Regensburger Generalvikar sagt: "Wir hätten früher manches besser machen können", dann ist das eine glatte Ohrfeige für den früheren Regensburger Bischof, den Kardinal Müller aus Mainz, wenngleich, Gott sei Dank, nur im übertragenen Sinn.

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