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Allgemeine Zeitung Mainz: Wilder Westen
Kommentar von Karl Schlieker zu Tuifly

Mainz (ots) - Im Kampf um die Neuordnung des Luftverkehrsmarkts fallen alle Hemmungen. Doch das Spiel mit dem Feuer wird für alle Beteiligten mit erheblichen Brandwunden enden. Die massenhaften Krankmeldungen der Tuifly-Beschäftigten sind wohl nicht auf den plötzlichen Ausbruch einer Seuche zurückzuführen, sondern auf den Protest gegen Intransparenz, mögliche Tarifverschlechterungen und Jobverluste. Der Protest ist gerechtfertigt, aber der Zweck heiligt nicht die Mittel. Beobachter fühlen sich in den Wilden Westen zurückversetzt. Die Auseinandersetzung um die Folgen der Bildung eines neuen Ferienfliegers aus dem Steinbruch der Air Berlin und Tuifly wird auf dem Rücken der Reisenden ausgetragen. Das ist nicht akzeptabel, da das Streikrecht mit derlei wilden Aktionen umgangen wird. Gleichzeitig zeugt aber auch das Vorgehen des Managements nicht von Verantwortungsbewusstsein. In der verzweifelten Abwehr der Billigflugkonkurrenz reagiert der Vorstand zu spät auf die Ängste der Mitarbeiter. Völlig unverständlich ist darüber hinaus die Tuifly-Entscheidung, die festsitzenden Urlauber nicht zu entschädigen. Selbst wenn das mit formaljuristischen Winkelzügen noch gerechtfertigt werden könnte, ist es aus geschäftspolitischer Sicht Selbstmord auf Raten. Die verprellten Kunden, die an den Flughäfen ausharren, werden ihren Zorn hinaus in die Welt tragen. Wer einmal sitzen gelassen wird und dann noch dafür bestraft wird, wird Tuifly sicher kein zweites Mal buchen. Und wer das Treiben beobachtet, wird ebenfalls dankend verzichten. Ein ramponiertes Image kann niemand über Nacht wieder reparieren. Das dauert Jahre.

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