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Allg. Zeitung Mainz: Schockierend
Kommentar zur Rentenentwicklung
Von Friedrich Roeingh

Mainz (ots) - Schockierende Entwicklungen verlieren ihre Wirkung nicht dadurch, dass man sie nicht wahrnehmen will. Die Rente ist dafür das schlagendste Beispiel. Die verheerenden Zahlen waren so vorhersehbar, dass sich die Regierung bisher weigerte, den Verlauf des Rentenniveaus über das Jahr 2030 hinaus zu prognostizieren. Nun hat sie diese Vogel-Strauß-Politik endlich beendet. Das Ergebnis: Bis 2045 würde das Rentenniveau von 47,8 auf 41,6 Prozent des Durchschnittseinkommens sinken - bei gleichzeitigem Anstieg des Beitragssatzes von heute 18,7 Prozent auf 26,4 Prozent des Bruttolohns. Und selbst diese Zahlen sind noch geschönt, weil sie eine 45-jährige Erwerbsbiografie voraussetzen, die mit der Realität der Arbeitswelt im 21. Jahrhundert nicht mehr viel zu tun hat. Weil sich aber die demografische Entwicklung gar nicht und die Veränderungen im Arbeitsmarkt nur bedingt zurückdrehen lassen, hilft der schlichte Ruf der Sozialpolitiker nach einer "Auffanglinie" kaum weiter. Wer ein neues Zeitalter der Altersarmut verhindern oder - ehrlicher gesagt - abmildern will, wird an vielen Stellschrauben drehen müssen. Versicherungsfremde Leistungen wie die Mütterrente muss der Steuerzahler tragen. Betriebsrenten müssen gefördert werden. Freiwillige Zusatzbeiträge in die Rentenversicherung vom ersten Berufsjahr an wären als private Vorsorge besser als die vom Kapitalmarkt ausgebeutete Riesterrente. Prekäre Arbeitsverhältnisse gilt es konsequent zurückzudrängen. Und auch wenn das niemand hören will: Eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit wird ebenso zu dem Paket gehören wie flexiblere Einstiege in das Rentenalter.

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