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Allg. Zeitung Mainz: Stur
Kommentar von Friedrich Roeingh zu Merkels Kanzlerkandidatur

Mainz (ots) - Einsamkeit ist in den ersten Reihen der Politik kein Ausnahme-, sondern eher der Normalzustand. Insofern lassen sich die Breitseiten verkraften, die Bundeskanzlerin Angela Merkel mal wieder von Horst Seehofer und nun auch von Sigmar Gabriel erfährt. Wenn der Vizekanzler so tut, als sei die SPD schon immer für eine Obergrenze in der Flüchtlingspolitik eingetreten, macht das nur den Grad der eigenen Verzweiflung deutlich. Die weiter sinkende Zustimmung der Bürger für eine vierte Amtszeit Merkels muss der Kanzlerin dagegen zu denken geben. Merkels Unbeirrbarkeit, die einst ihre Stärke war, ist in der Flüchtlingspolitik zu ihrer größten Schwäche geworden. Statt ihr "Wir schaffen das" stur zu wiederholen, wäre längst ein "Ich habe verstanden" fällig gewesen. Zu diesem Eingeständnis hat sich Merkel auch in ihrem gestrigen Sommerinterview mit der ARD nicht durchringen können. Dabei hat die Bundesregierung ihre Flüchtlingspolitik ja längst grundlegend verändert. Der Stresstest, mit dem Frontex die Sicherung der Außengrenzen verschärfen will, ist dafür nur der jüngste Beleg. Wenn Merkel weiterhin so tut, als ob sie ihre Politik nicht verändert habe, steht sie sich selbst am stärksten im Weg. Die Frage, ob sie es noch einmal schafft, die Union (inklusive CSU) von einer weiteren Kanzlerschaft zu überzeugen, ist unzweifelhaft spannend. Inwieweit eine weitere Kanzlerschaft Merkels überhaupt Sinn macht, wird sich angesichts von Brexit und Flüchtlingskrise aber vor allem daran bemessen, ob sie zu einer Wiederbelebung Europas fähig ist oder dieser im Wege steht.

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