Allgemeine Zeitung Mainz

Allg. Zeitung Mainz: Straßenkampf
Kommentar zum Verkehrsklima
Von Christian Matz

Mainz (ots) - Die Statistik lügt nicht: Gemessen am Fahrzeugbestand war laut Statistischem Bundesamt das Risiko im Jahr 1970, bei Unfällen im Straßenverkehr zu sterben, 16 mal höher als 2015. Objektiv wird der Verkehr also immer sicherer. Subjektiv aber wird es immer schlimmer. Höheres Verkehrsaufkommen, höheres Tempo, höherer Zeitdruck - die Folge: Die Verkehrsteilnehmer agieren immer rücksichtsloser und aggressiver. Die drei Faustregeln in diesem alltäglichen Straßenkampf lauten: 1.: Der Schnellere/Stärkere/Größere hat immer Recht. 2.: Wer bremst, verliert. 3.: Schuld sind immer die anderen. Dabei merkt jeder, der im Urlaub oder bei einer Geschäftsreise in anderen Ländern Auto fährt, dass es auch anders geht - entspannter, stressfreier, weniger aggressiv. Das liegt nicht nur an breiteren Straßen, wie etwa in Nordamerika, das liegt auch an dem besonderen Verhältnis zum Auto in Deutschland, wo es nie einfach nur Fortbewegungsmittel, sondern immer auch Statussymbol ist. Dies zeigt auch die Diskussion über ein Tempolimit: Während dies hierzulande den Puls regelmäßig in die Höhe treibt, führt ein Limit in anderen Ländern gerade dazu, dass der Puls unten bleibt. Sicher: Wer schon frühmorgens im Stau steht, wer sich auf der Autobahn durch eine Baustelle nach der anderen quält, wer abends in der Innenstadt keinen Parkplatz findet, dem fällt es schwer, gelassen zu bleiben. Dennoch sollte jeder, der sich über den Drängler/Trödler/Pöbler im anderen Auto aufregt, sein eigenes Verhalten überprüfen und sich fragen, wann er zuletzt selbst gedrängelt/getrödelt/gepöbelt hat. Besseres Benehmen ist keine Einbahnstraße.

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